Nein, nicht schon wieder der Balkan! Europa hat interveniert, bombardiert, finanziert, um endlich Ruhe zu schaffen in dieser fluchgeplagten Region. Und jetzt wieder Bilder des Krieges, aus Mazedonien diesmal. Und wieder die quälende Frage: Was tun?

Vorweg ein Blick auf das Offenkundige. Erstens: Mazedonien steht unmittelbar vor Bürgerkrieg und Zerfall. Zweitens: Alle bisherigen Versuche, den Konflikt zu beenden, sind gescheitert. Das ist ein Desaster auch für Europa. Denn die EU hat sich in Gestalt ihres Beauftragten für Sicherheits- und Außenpolitik, Javier Solana, seit Ausbruch der Krise im März kräftig engagiert. Ihm gelang es, die albanischen und mazedonischen Parteien in eine Koalitionsregierung zusammenzuzwingen. Die EU schien ihre Lektionen aus dem Versagen in den letzten zehn Jahren Balkanpolitik gelernt zu haben. Schnell reagieren wollte sie, mit einer Stimme sprechen, Druck ausüben, um der Politik zum Sieg über die Gewalt zu verhelfen.

Ein entscheidender Baustein allerdings fehlte in der Politik des Westens: die UÇK. Partout wollte Solana nicht, dass man mit den albanischen Rebellen spreche. Noch schärfer reagierte Nato-Generalsekretär Robertson: "Am Verhandlungstisch ist kein Platz für jene, die mit Kugeln statt mit Wahlurnen entscheiden wollen." Für die Regierung in Skopje ist die UÇK eine Bande von "Terroristen"

ihre Antwort war Krieg. Und die EU mahnte zaghaft Zurückhaltung an.

Fatale Fehleinschätzung

Die Mazedonier wie die EU unterlagen einer fatalen Fehleinschätzung. Die UÇK hat die weitgehende Unterstützung der albanischen Bevölkerung. Militärische Gewalt musste also auch Zivilisten treffen. Das logische Ergebnis war die Radikalisierung der Lage und folglich die Blockade des politischen Dialogs.

Warum bloß? Immerhin stellen die Rebellen keine Forderungen, die unerfüllbar wären. Es geht ihnen um die Anerkennung der Albaner als eine konstituierende Nation Mazedoniens, Albanisch als zweite Amtssprache, Chancen auf Bildung, Ausbildung und Arbeit.