Nie und nirgends wären sie einander begegnet, die zwei aus unserem Film. So gegensätzlich denken, träumen und agieren sie, so ganz und gar ohne Berührungspunkte - unter normalen Umständen. Doch was ist schon normal in einer Welt, in der einer womöglich verhaftet wird, weil er zum falschen Zeitpunkt in einem Restaurant saß oder in einer Bar? Und so treffen sie sich eben doch, werden dazu genötigt, zwei wie Nacht und Tag, wie Fantasie und Befehl, doch was dann zwischen ihnen möglich wird, sprengt alle Konvention.

Nur die Ketten, die sprengt es nicht. Die Liebe in Zeiten der Unterdrückung: Das ist hier das Thema, wobei man den Begriff schon weiter fassen sollte.

Denn wenn man genau hinsieht, werden im Verlauf des Films gleich mehrere Liebesgeschichten erzählt. Eine fiktive mit Pomp und Pathos

eine ersehnte, die Freundschaft wird, weil sie sexuelle Fantasie bleiben musste

eine vergangene, die an den Verhältnissen scheiterte. Und eine Liebe in der Gegenwart, die unverhofft und gleichsam aussichtslos ist wie die andern, aber am Ende doch Bestand hat, weil sie sich nicht manipulieren lässt und weil sie Trennung, Gewalt und sogar den Tod überdauert: als Utopie einer menschlicheren Welt.

Es war vor allem den Darstellern zu verdanken, dass die Adaption eines Romans nie ins Plakative abgleitet. Nicht am Anfang, als sie sich buchstäblich wie Fremdkörper an einem schrecklichen Ort gegenübertreten

nicht am Schluss, als sie Vertraute, Freunde und Liebende sind. Vor allem die eine der beiden Rollen war eine Wanderung zwischen den Extremen, verlangte schrille und bizarre, im nächsten Moment leise und todernste Nuancen. Für diese Leistung gab es denn auch die wichtigsten Akademie- und Festivalpreise. Wie heißt der Film?