Dies ist die kurze Geschichte eines Scheiterns. Ursprünglich sollte es was Kulinarisches sein, die sentimentale Erinnerung an den Gulasch-Kommunismus will man ja auch im Jahre zwölf nach dem großen Stacheldrahtdurchzwicken nicht einfach verdrängen. Aber die Speisekarten der Budapester Restaurants, von der Bohém Tanya bis zum Gartenidyll im Club des Künstlers, sind derart neureich überbesetzt mit Fleisch und Hirn von so ziemlich jedem Getier, dass einem der Appetit vergeht. Aber Mitbringsel müssen ja nicht nur durch den Magen gehen. Warum also nicht sein Glück versuchen auf der ersten nennenswerten Auktion zeitgenössischer ungarischer Kunst in Ungarn überhaupt? Im Budapester Kongresszentrum hat sich zu diesem Zwecke alles versammelt, was den (kleinen) Kunstbetrieb des Landes am Laufen hält, Galeristen, Sammler, Journalisten

selbst Künstler gucken, was ihre Werke so wert sind. Veranstaltet wird die Versteigerung von der Blitz Galéria, die dem Geschäftsmann Lajos Kováts gehört. Dass der Mann selbst sammelt, für sich und seine Bilder gerade ein Museum baut und auf seiner eigenen Veranstaltung kräftig mitbietet, gehört zu den Absonderlichkeiten eines Marktes, der noch übt, einer zu sein. Die Stimmung ist fiebrig aufgeregt wie beim Kindergeburtstag. Adrette Helferinnen mit Versace-Tüchlein verbreiten einen Hauch weltläufigen Glamours, den einige korpulente Bieter mit Charme und Outfit von Bauarbeitern mühelos zur gesunden Bodenständigkeit herabdimmen. Eh man sich versieht, sind die ersten fünf Lose weg, Tempo, Diktion und Routine des Auktionators genügen schon bei dieser Premiere internationalen Ansprüchen. Aber jetzt endlich: Ein Mitbringsel muss her. Los Nummer 5 vielleicht, ein gezeichnetes Frauenporträt von Moholy-Nagy, entstanden 1920? Zu teuer. Monoton rattern die Zahlen vorbei, mühsam hält mein Übersetzer Schritt, bei fünf Millionen Forint, dem unteren Schätzpreis, ist Schluss. Das sind rund 37 500 Mark - zu viel für ein Andenken an vier Tage Budapest. Auch bei Nummer 10, einer Architekturstudie von Lajos Kassák, muss ich passen. Erst bei den allerzeitgenössischsten Zeitgenossen darf ich ernsthaft mitfiebern, bei der Tischtennisszene des erst 25-jährigen László Györffys zum Beispiel, in der sich Hopper, Pop Art und Francis Bacon mischen.

Aber ruck, zuck ist man bei 300 000 Forint, und eine Nummer später ist die Auktion zu Ende. Was bleibt, ist die Erschlaffung nach anderthalb hungaro-historischen Stunden. Und aus dem Duty-free-Shop eine Flasche Barakpalinka, Aprikosenschnaps, mit dem man sich über das Scheitern der Jagd nach einem außergewöhnlichen Mitbringsel hinwegtrösten kann.