die zeit: Durch Aids droht der Dritten Welt, insbesondere Afrika, eine humanitäre, soziale und politische Katastrophe. In Südafrika ist jeder Zehnte infiziert. Wann endlich wird der Westen handeln?

Joschka Fischer: Ich finde, die Vereinbarung mit den Pharmakonzernen sowie die Initiative des UN-Generalsekretärs Kofi Annan, einen globalen Hilfsfonds einzurichten, sind Schritte, die alle Unterstützung verdienen. Wir brauchen jetzt zielgerichtete Maßnahmen, sonst droht uns eine zweigeteilte Welt - sowohl bei der Bekämpfung von Krankheiten wie auch bei Entwicklung und Einsatz von Medikamenten. Insofern ist dieser Trust-Fund eine sehr, sehr gute Idee.

zeit: Wie teuer dürfen gute Ideen sein? Die Weltbank schätzt, jährlich seien sieben bis zehn Milliarden Dollar erforderlich, um wirksam helfen zu können.

Wie viel wird Deutschland beitragen?

Fischer: Wir haben das noch nicht quantifiziert. Natürlich ist Deutschland auch gefragt. Der UN-Generalsekretär hat beim letzten Allgemeinen Rat persönlich den Außenministern der EU seine Position dargestellt. Sobald sein Vorschlag entsprechend konkretisiert ist, werden wir mit dem Finanzminister in Deutschland - und vor allem mit möglichen Spendern der Privatwirtschaft - reden müssen, wie hoch unser Beitrag sein kann. Wir sollten einen sehr breiten Kreis, vom Großunternehmen bis zum Kleinspender, ansprechen. Ich sage schon jetzt: Wir werden einen Beitrag leisten müssen, der unserer Verantwortung gerecht wird.

zeit: Die Amerikaner stehen derzeit nicht auf gutem Fuße mit der Uno und haben angekündigt, ihren Beitrag auf 200 Millionen Dollar zu begrenzen.

Müssen die Europäer nicht eine Führungsrolle übernehmen, damit die Aktion gelingt?