Sind deutsche Autobauer die Größten? Könnte man glauben. In Europa legen DaimlerChrysler, BMW, Porsche und VW gegen den Trend zu. Selbst die Konjunkturflaute in Nordamerika konnte den heimischen Nobelmarken bislang nichts anhaben. Und nachdem in den vergangenen Wochen die Autokonjunktur in Europa wieder ansprang, droht sich auf den Vorstandsetagen ein Gefühl der Überlegenheit einzuschleichen. Nichts ist innovationsfeindlicher.

Für Hochmut besteht bei den bisherigen Gewinnern im Verdrängungswettbewerb kein Anlass. Die Kundschaft ist wählerischer geworden und reagiert schneller denn je auf gesamtwirtschaftliche Stimmungen. Und nicht zu vergessen: Die Konkurrenz hat ihre Lektion gelernt.

Jeder der deutschen Konzernchefs steht vor großen Aufgaben. Die schwierigste hat DaimlerChrysler-Boss Jürgen Schrempp zu bewältigen. Er muss aufpassen, dass er im verzweifelten Bemühen, Chrysler und Mitsubishi zu sanieren, die erfolgreiche Stammmarke Mercedes-Benz nicht zu stark unter Sparzwang setzt.

BMW - nach dem Rover-Desaster - glänzt wieder. Aber wenn auch nur eine der neuen Modellreihen floppt, hätte BMW-Chef Joachim Milberg sein nächstes Großproblem. VW-Chef Ferdinand Piëch muss seine Produktion so optimieren, dass der Konzern auch bei nicht voll ausgelasteten Fabriken Gewinne macht.

Schließlich Wendelin Wiedeking, der Porsche zum profitabelsten Autobauer machte: Der Start in die Nische der Luxusgeländewagen ist für den kleinsten deutschen Hersteller ein riskantes Unterfangen.

Umso wichtiger ist es, die Gründe des Erfolgs in den vergangenen Jahren zu analysieren. Vor allem drei Faktoren sorgten dafür, dass die deutschen Autokonzerne auf fast allen Märkten die Konkurrenz abhängen konnten: langfristige Markenpflege, hohe Investitionen in Technologie und ein Feuerwerk neuer Modelle.

Das langfristig aufgebaute Nobelimage der etwas besseren Autos zahlt sich jetzt aus. Obwohl sich - objektiv gesehen - die Qualitätsunterschiede der Fabrikate zunehmend nivellieren, profitieren Marken wie Porsche, Mercedes-Benz, BMW, Audi, aber auch VW von ihrer Anmutung und ihrem Ruf. Ein BMW ist sofort als BMW, ein Mercedes als Mercedes zu erkennen. Der Kunde kauft auch das Gefühl, Besitzer eines besonderen Wagens zu sein. Dafür zahlt er ein paar Tausender mehr.