Ganz spitze Augenbrauen hat er bekommen, der Rolf Schmidt-Holz, und so ein komisches Glänzen in den Augen. Das muss vom Beamen kommen. Dabei sieht sein Chef Thomas Middelhoff, der neben ihm im Transponder steht, nicht halb so mitgenommen aus, obwohl es auch ihm schon das halbe Unterteil weggesaugt hat, in unbekannte, ferne Welten voller Ideen, von wo die beiden Bertelsmann-Manager sicher mit reicher Ernte zurückkommen werden und vielleicht, mit etwas Glück, dem stern ein paar Einfälle abgeben oder RTL 2 oder ihrer Werbeagentur, die mit diesem merkwürdigen Bild in den großen Illustrierten und Zeitungen darum bittet, Hinweise a uf große, zukunftsträchtige Ideen doch bitte bei den beiden Herren in den E-Postkasten zu werfen. Oberinhaltebertelsmann Schmidt-Holz sagt, mit der Kampagne solle "das Bertelsmann Content Network als Ansprechpartner für produktlinienübergreifende und crossmediale Inhalte-Arbeit positioniert werden", als erklärte das irgendwas. "Wir verfügen über Wege, um Ihre Visionen Wirklichkeit werden zu lassen", steht in der Anzeige noch, was uns veranlasst, beim nächsten Besuch in Gütersloh tatsächlich nach einem fertigen Raumschiff-Enterprise-Transponderraum Ausschau zu halten. Und: "Zukunft ist bei uns Chefsache", was irgendwie vermuten lässt, dass das erdenschwere Fußvolk den Chefs per Zug hinterherreisen muss.

Anderen Medienmoguln hingegen bleibt aber auch gar nichts erspart: Ted Turner hat innerhalb weniger Monate seinen Einfluss bei CNN verloren, wurde von Jane Fonda verlassen, von Selbstmordgedanken geplagt und nun auch noch das: Mitleid von Rupert Murdoch, seinem reaktionären Erzrivalen. Murdoch sagte in einem Interview mit dem Kabelsender CNBC, treu mit den Augenlidern blinzelnd: "Ted tut mir leid." Und schlimmer noch: "Wir werden wieder von ihm hören. Er ist ja erst 62. Er wird schon wieder eine Beschäftigung finden."

Und während Turner sucht, kauft Murdoch den amerikanischen Satellitensender DirecTV und erhebt sich so luftig über die Niederungen des Konkurrenzkampfes auf dem US-Kabelfernsehmarkt.

Was Privatfernsehen so entsetzlich macht, ist nicht Skrupellosigkeit. Es ist Skrupellosigkeit, gepaart mit Dilettantismus. Fernsehsender in aller Welt haben das Video gezeigt, in dem zu sehen ist, wie Gäste einer Hochzeit in Jerusalem tanzen und plötzlich durch die Decke in den Tod stürzen. Es lief bei der BBC nach der Warnung, man könne den folgenden Film "verstörend" finden, und bei ARD und ZDF - erstaunlicherweise, ohne eine Diskussion auszulösen, ob man dies zeigen muss und man es auch gezeigt hätte, wenn der Kameramann nicht den Absturz, sondern den Aufprall gefilmt hätte. Aber nur Sat.1 sah den Witz in der Katastrophe und wiederholte das Video an genau der Stelle, an der gerade der geschockte Kameramann gesagt hatte, er wolle diese Bilder nie wieder sehen. Demnächst als Teil der Sat.1-Informationsoffensive: "Bilder, die wir nie wieder sehen wollen - 13 Teile, ungekürzt, mit Zeitlupe und O-Ton".

Nils Minkmar, Stefan Niggemeier (offline@zeit.de)