Einen krisensicheren Job hatte sich der junge Mann aus der Oberpfalz ausgesucht, eine Ausbildung im mittleren Verwaltungsdienst, Bundesvermögensverwaltung in München. Doch das Bewerbungsgespräch verlief anders, als sich Joachim R. gedacht hatte. Denn die korrekten Herren, bei denen er sich vorstellte, eröffneten dem Bewerber, dass er es hier mit einer besonderen "Firma" zu tun habe. Ob er sich denn auch vorstellen könne, für den Bundesnachrichtendienst (BND) zu arbeiten? "Ich war erst einmal geschockt", erinnert sich Joachim R. Bis dahin konnte er sich nie vorstellen, einmal mit dem deutschen Geheimdienst und seiner Zentrale in Pullach zu tun zu haben. Doch nach einer gewissen Bedenkzeit siegte die Neugier. "Das war dann schon etwas anderes als so ein reiner Verwaltungsjob."

Überraschungen der Art, wie sie Joachim R. erlebte, sind heute selten geworden. Anwerbungen über einen "Legendenarbeitgeber", wie es im Jargon der professionellen Geheimniskrämer heißt, sind passé, seit der Dienst nach Ende des Kalten Krieges die Schleier etwas gelüftet hat. Heute stolpert man in überregionalen Zeitungen schon mal über ganz normale Stellenanzeigen, in denen der Bundesnachrichtendienst "junge, flexible, motivierte MitarbeiterInnen mit Studienabschlüssen" sucht. Ja, richtig gelesen, auch das große I, eine Schöpfung der Berliner taz, die manche Kampagne gegen den BND anführte, scheint bei den eher konservativen Geheimdienstlern kein Tabu mehr zu sein.

Die neue Offenheit ist zumindest zum Teil aus der Not geboren, der Personalnot. Denn der BND benötigt nach Jahren des drastischen Personalabbaus neue Mitarbeiter. Vor allem mangelt es an Fachleuten für Informationstechnik (IT). "Im Moment könnten wir einen Jahresbedarf von Mitarbeitern des höheren Dienstes ausschließlich im IT-Bereich unterbringen", sagt Jörg Hofmann, Leiter der Abteilung Verwaltung, Recht und Zentrale Dienste. Der deutsche Auslandsnachrichtendienst sucht nicht nur klassische Informatiker, sondern auch Physiker, Mathematiker sowie Diplomingenieure der Fachrichtungen Nachrichten- oder Elektrotechnik. Ihr Fachwissen ist insbesondere bei der "technischen Aufklärung", dem Abhören vielfältiger Datenströme im In- und Ausland, und bei der Nachrichtenübermittlung gefragt. Diese Technik, erklärt Hofmann, sei von großer Bedeutung für die Zukunft des Dienstes.

In der abgeschotteten Zentrale in Pullach, in Außenstellen in ganz Deutschland und in den BND-Residenturen überall auf der Welt sind derzeit etwa 5900 hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt

jeder zweite ist Angestellter, jeder dritte Beamter, jeder zehnte Soldat. Ihr wichtigster Auftrag ist es, der Bundesregierung ein möglichst genaues Bild der internationalen Lage zu vermitteln. Nach dem Zerfall des Ostblocks hat sich die Aufgabenpalette des Geheimdienstes in den letzten Jahren verändert: Beobachtung der Migration, der organisierten Kriminalität, Geldwäsche und Proliferation, der Verbreitung von ABC-Waffen und Trägersystemen gehören zu den nicht unumstrittenen Zusatzaufträgen. Und gerade will die rot-grüne Bundesregierung die Lauschmöglichkeiten noch einmal erheblich ausweiten.

Als die Mauer fiel, hatte der BND noch fast 7000 Mitarbeiter, was zeigt, wie drastisch der Aderlass nach Ende des Kalten Krieges war. Bis 2008 soll der Dienst sogar noch weiter schrumpfen - auf 5200 Mitarbeiter. Wegen der schwierigen Personalsituation im IT-Sektor gilt nun aber für 2001 und 2002 ein befristeter Abbaustopp. "In diesen zwei Jahren können wir endlich mal wieder deutlich mehr Leute einstellen, wenn wir sie denn finden", sagt Hofmann.

Die Einstellung junger Bewerber soll auch die Überalterung des Dienstes abmildern. Derzeit liegt das Durchschnittsalter bei 45 Jahren. "Das ist für den technischen Bereich absolut tödlich", sagt Eberhard Krügele, Referatsleiter Personal. Kein Mangel herrscht an Bewerbern für die 30 Plätze der so genannten Laufbahnausbildung an der BND-eigenen Fachhochschule, die pro Jahr vergeben werden. Etwa 1000 Anfragen werden jedes Jahr gezählt. "Es wäre uns aber recht, wenn sich noch mehr melden", sagt Krügele. "Dann können wir besser sieben."