Wisst ihr, wo wir hier gerade sind?, fragt Baustellenführerin Marion Klein in die Runde. - Inne Nordkurve!, ruft der pfiffige Simon und schwenkt seine blauweiße Fahne wild hin und her. - Ja, genau, nickt Frau Klein strahlend, um dann in Schulmeistermanier zu korrigieren: Ist aber nicht ganz richtig, weil die Nordkurve eigentlich nach Nordosten ausgelegt ist.

Sei's drum, Thomas Kaes (47) streicht Filius Simon (10) übers blonde Haar.

Mit 20 weiteren Mitgliedern des Schalker Fanclubs Einmal Blau - Immer Blau Bocholt begehen sie, von Frau Klein angeführt, des Ruhrgebiets größte Baustelle. Hier in der Fankurve der Arena Auf Schalke werden sie in der nächsten Bundesligasaison stehen und ihre Helden Olli Reck, Ebbe Sand und Yves Eigenrauch anfeuern. Schaaalke!, skandieren die Anhänger schon mal probehalber. Schaaalke!, echot eine andere Fangruppe zurück. Wie wird es erst schallen, wenn die Bude, pardon Arena, voll ist und 62 000 Kehlen grölen!

Sonntag Mittag. Noch vier Stunden bis zum Bundesligaspiel der Königsblauen gegen die Roten Teufel im benachbarten Parkstadion, das jetzt ausgedient hat. Die Bauarbeiten in der Arena ruhen heute. Vor dem Zaun drängeln sich die Besucher. Alle zehn Minuten beginnt eine Baustellenführung. Ein Renner, ein Selbstläufer, fast wie einst auf der Berliner Großbaustelle Potsdamer Platz.

40 000 Besucher haben seit letztem Mai schon Baustellenluft auf Schalke geschnuppert. Schützenvereine, Schulklassen, Studenten, Rentner, Zahnärzte, Architekten, Bauingenieure, Firmenabteilungen von Ruhrgas bis Thyssen und natürlich viele Fanclubs und Einzelpersonen, die dem Fußball, den Knappen, der Stadionarchitektur oder allem zusammen verfallen sind.

Bauhelm festgezurrt - und ab durch den Tunnel Nord T 1 in den Innenraum.

Bo-ey! Geil! Super! Kleine und große Fans staunen. Was für ein Raumerlebnis die künftige Schalke-Kathedrale bietet! Sie ist kein reines Fußballstadion, sondern eine Multifunktionsarena. Kompatibel für Großevents wie Opern, Popkonzerte, Boxkämpfe. Kuzorras Enkel kicken bald im Opernhaus, titelte die Lokalzeitung. Schöne, neue Stadionwelt. Treppen und Tribünen aus Betonfertigteilen, eine selbsttragende Stahl-Fachwerk-Konstruktion und ein zweiteiliges Cabrio-Dach aus Glasfasergewebe, das sich bei Sonnenschein öffnen lässt. Die megamoderne Arena, die seit November 1998 vom Generalübernehmer - der holländischen Baugesellschaft HBM - errichtet wird, kostet alles in allem 358 Millionen Mark.