Wir erinnern uns jetzt mal gemeinsam an unsere Fahrschulzeit. Rote Ohren!

Flatterpuls! Schwitzefinger! Und, nicht wahr: Das Loskommen war das Schwerste.

Gaben wir zu viel Gas, malten wir den Asphalt schwarz an. Boten wir der Maschine zu wenig Stoff, starb sie ab. Der Effekt in beiden Fällen: Wir kamen nicht vom Fleck. Die Vermittlung zwischen dem tobenden Kraftwerk und dem stehenden Rest erfordert Gefühl und Erfahrung. Anspielend auf den Sitz des entsprechenden Sinnesorgans, sprechen Kraftfahrer aus Leidenschaft gern vom "Popometer".

Diese Voraussetzung für schaltgetriebenes Fahren bestimmte stets auch das Geschäft der schnellen Jungs in der Formel 1. Arme Jammergestalten, die pünktlich beim Start ihre 800 Pferde abwürgten und allein zurückblieben! Und dann die anderen, die das gigantische Drehmoment ihrer Zehnzylinder nur dazu nutzten, Gummi zum Brennen zu bringen, dasselbe Gummi, das ihnen später im Rennen fehlte. Diejenigen Schumis und Michis und Heinzis dagegen, die gleich vom Start weg gut loskamen, hatten einen Treppchenplatz schon halb in der Tasche. Leute mit Popometer eben.

Und dann der Verdacht: Ist es wirklich Schumis Popometer? Oder doch eher ein versteckter Sensor, ein heimlicher Algorithmus, ein mitgeführtes Datenbänkchen? In Fachblättern wurde von sich selbst zerstörenden Computerprogrammen getuschelt, unauffindbar für die FIA-Kontrolleure. Der Verband fand einen verblüffenden Ausweg aus dem Dilemma: Er heuerte nicht etwa bessere Kontrolleure an. Sondern erlaubte kurzerhand alle umstrittenen kleinen Schweinereien.

Seit vier Wochen, seit dem Großen Preis von Spanien, ist neben der elektronischen Antischlupfkontrolle und der computergesteuerten Schaltautomatik auch eine "Launch Control" erlaubt. Diese Startautomatik geht so: Zuerst wird ein Knopf gedrückt und Vollgas gegeben. Springt die Ampel auf Grün, ist der Knopf loszulassen. Aus einer Flut von Parametern kalkuliert der Bordrechner das optimale Drehmoment, die dazugehörige Drehzahl, legt den entsprechenden Gang ein, trimmt die Einspritzung und die Drosselklappe. Der Fahrer muss nur noch Bleifuß fahren und lenken. "Jeder Affe", spottete jüngst Niki Lauda, "kann jetzt ein Formel-1-Auto bedienen."

Fahren Affen besser als Frentzen? Oder Coulthard? Zweimal, zuletzt in Monaco, kam der schöne David gar nicht erst los. Blieb allein auf der Piste stehen, reckte die Fäuste und malträtierte sein Lenkrad. Von seinen Lippen las man: "F... Launch Control!" Wie man hört, würgt der Rechner gelegentlich den Motor ab, weil er das Auto in der Box wähnt.