die zeit: Herr Minister, ein überraschender Milliardensegen aus Brüssel erspart Ihnen in diesem Jahr eine Haushaltssperre. Bleiben Sie auch beim Bundeshaushalt 2002, den das Bundeskabinett in knapp zwei Wochen beschließen will, der "Hans im Glück"?

Hans Eichel: Sie kennen nicht Grimms Märchen. Hans im Glück fängt mit einem Goldklumpen an und hat am Ende überhaupt nichts mehr. Das Märchen hat eine wunderschöne Botschaft: Man kann auch ohne Geld glücklich sein. Das ist aber nicht unbedingt die Botschaft eines Finanzministers.

zeit: Sie sparen, um Ihrem Nachfolger einen Goldklumpen zu hinterlassen?

Eichel: Ich würde gern unseren Kindern keine Hypotheken, sondern solide Kassen hinterlassen. Im Moment kann ich aber nichts anderes tun, als die Geschwindigkeit abzubremsen, mit der wir Schulden aufnehmen. Ich will aber in jedem Falle erreichen, dass das Schuldenmachen ein Ende haben wird. Dass ich in diesem Jahr bei den Steuern einen Einnahmeausfall von 4,5 Milliarden Mark verkraften muss, ist nicht gerade Glück.

zeit: Aber Sie haben Glück, dass der Verlust durch Rückzahlungen aus der EU-Kasse ausgeglichen wird. Haben Sie jetzt alle Etatrisiken dieses Jahres voll im Griff? Sind die Kosten von BSE und Maul- und Klauenseuche inzwischen absehbar?

Eichel: Die Kosten, die zunächst ins Unermessliche zu steigen schienen, haben sich jetzt schon gewaltig reduziert. Hundertprozentig ist man nie sicher, aber die Haushaltsrisiken sind nun genauer eingrenzbar.

zeit: Neu, bis vor kurzem noch gar nicht abzusehen, ist das Etatrisiko Berlin. Müssen Sie nicht fürchten, dass der Bund die Hauptstadt doch noch mit einem Milliardenzuschuss vor der Pleite bewahren muss?