Dass man sich vor Shareholdern hüten muss, erfahren Unternehmer wie Brian Cass schon auf der Managerschule. Aber der 53-jährige Chef der britischen Firma Huntingdon Life Sciences kann inzwischen auch ein Lied von rabiaten Stakeholdern singen. Demonstranten richteten ihn im Februar mit Baseballschlägern übel zu, vor den Toren seiner Firma brannten Autos, bei seinen Nachbarn saßen Protestierer in den Blumenbeeten. Als solche Aktionen auch den Investoren drohten, zogen sie nach und nach ihr Geld zurück

nur ein ferner, amerikanischer Finanzier bewahrte das Unternehmen gerade noch vor der Pleite. Und das alles, weil Huntington Life Sciences im Auftrag großer Pharmakonzerne an Tieren experimentiert.

Solche Probleme sind im globalen Kapitalismus kein Einzelfall. In Deutschland zog der Energiemulti Shell im Streit um seine Ölplattform Brent Spar gegen Greenpeace und die versammelte Konsumentenmacht den Kürzeren. Aktivisten, warnt der Brüsseler Public-Relations-Berater Jonathan Wootliff, "sind inzwischen extrem schlagkräftig organisiert". Mehr noch: Debatten über böse Bosse sind in Mode

Kundgebungen enden mit demolierten McDonald's-Restaurants

Umweltsünden bei Esso oder Kinderarbeit bei Nike werden in den Medien ausgebreitet. Was tun, fragen Konzernchefs.

München, 3. April. Der Siemens-Konzern, die Wirtschaftsverbände und das Magazin Wirtschaftswoche haben zum Kongress geladen - Titel: Corporate Citizenship. Der Kanzler spricht das Grußwort, die Creme der deutschen Konzernlenker ist angereist, und alle hatten die richtigen Vokabeln gepaukt.

"Stakeholder-Value statt Shareholder-Value", beschwor Heinz-Horst Deichmann vom gleichnamigen Schuhhersteller. Um "die Rolle des Unternehmens als Mitgestalter der Gesellschaft" ging es BDI-Chef Michael Rogowski.