Was hier als deutsche Kultur dargestellt wird, handelt in Wahrheit von demokratischen Gepflogenheiten. Es sind gerade mal 43 Jahre, dass deutsche Frauen alle Rechte im öffentlichen Leben errungen haben. Etwas mehr Gelassenheit scheint mir angemessener. Die Vorliebe für die Darstellung "rückständiger", weil traditionsgeleiteter Verhaltensweisen bei eingewanderten Bürgern hilft nicht, die irrationalen Ängste deutscher Bürger abzubauen.

Der muttersprachliche Unterricht gehört zur Persönlichkeitsbildung und dient der erweiterten Sprachkompetenz. Wer ihn abschafft, tut dies, um Geld zu sparen. Während der Englischunterricht inzwischen in der Grundschule beginnt, weil die Kinder aufnahmefähiger sind, werden die Kinder nicht gefördert, die mit zwei Sprachen aufwachsen.

Die Autorin vergisst, dass die offene Gesellschaft bedeutet, dass man Kopftücher ertragen lernen muss. Der Artikel suggeriert, der starke Staat könne helfen. Schade, dass er der offenen Gesellschaft so wenig zutraut.

Brigitte Eberle, Gießen

Die mangelnde Partizipation der "Gastarbeiter" an der deutschen Gesellschaft war auch politisch gewollt, waren sie doch Arbeitskräfte und keine vollwertigen Mitglieder. Das sollten Sie bedenken, statt die Behauptung aufzustellen, türkische Eltern hätten keinen Integrationswillen, und die Töchter dürften sowieso keinen Beruf ausüben.

Ich habe die negative Publicity über "Ghettokinder" satt. Sie werden es kaum glauben, aber ich bin türkisch, weiblich und in Hamburg-Wilhelmsburg sozialisiert. Außerdem haben meine rückständigen und völlig ungebildeten Eltern mir erlaubt, zu studieren und einen Beruf zu ergreifen - und ich bin nicht die Einzige.

Aynur Sarikaya, Berlin