Haben Heimatfilme eine Zukunft? Man hielt sie für in den fünfziger Jahren begraben und zog als Filmemacher die Stadt vor, da, wo sie technisch, schmutzig und düster ist wie in Parkhäusern oder Eisenbahnunterführungen.

Dabei gibt es ja immer noch Land, See und Berge. Aber solche idyllverdächtigen Schauplätze überließ man im Fernsehen der Volksmusik als Kulisse. Die eine oder andere Serie (Der Landarzt) nahm zaghaft Bezug auf Rain und Trift, aber immer unter Vorbehalt. Im Grunde galt Landschaft als Kitsch.

Das könnte sich wieder ändern, jetzt, wo der städtische Verhau und der urbane Dschungel so vielfältig filmisch durchgenommen worden sind, dass man als Fernsehzuschauer München, Berlin oder Hamburg sofort erkennt, auch wenn man noch nie dort war. Kleinere Städte ordnet auch der Reisemuffel spätestens nach der dritten Einstellung einer Region zu. Und Vorstädte sehen, man weiß es, überall gleich aus, also übergeht man sie und verlegt sich auf den Innendreh.

Mithin spricht vieles für eine Wiedergeburt der Natur als Drehort. Hinzukommt die fortschreitende Entsentimentalisierung des ländlichen Raumes. Die Verstädterung war der Auslöser, die Umweltkrise die Zuspitzung: Jetzt bietet das Landleben keine Garantie mehr für Einfachheit und gute Luft, es ist auf seine Art ähnlich technisch, dreckig und düster wie die städtische Szenerie und deshalb durchaus à jour und der Kamera würdig. Nebenbei findet es zuweilen vor Hinter- und Abgründen statt, die noch grandioser sind als Autobahnbrücken und Wolkenkratzer.

Das ZDF hat die Zugspitze und ihre Umgebung als Schauplatz für den Film Bergwacht auserwählt, der sich ganz auf den Reiz von Klüften, Wänden, Gipfeln, Hängebrücken und sanften Talgründen verlässt und nur ausnahmsweise mal ein Haus zeigt. Gleichwohl handelt es sich nicht um einen Naturfilm

es geht um einen Flugzeugabsturz und eine Entführung, und Helikopter, Motorräder, Seilbahnen und Revolver lassen mit ihrem Krach dem stillen Tal keine Chance. Gern hätte man, verlautet es aus der Redaktion, fast den ganzen Dreh oberhalb der Baumgrenze abgeleistet, aber das war vom Plot und von den natürlichen Gegebenheiten her nicht möglich. Einige tolle Bilder, auf denen sich die Bergwelt spitz, karg, hart und drohend-schön in einen meist grauen Himmel reckt, sind aber doch entstanden. Die Geschichte handelt von der Rachsucht eines ältlichen Bösewichts, dem der Berg die Frau genommen hat und der die Schuld auf den Mann von der Bergwacht schiebt. Klaus Löwitsch gibt diese Mensch gewordene Felsenschlucht mit tödlich-schroffer Entschlossenheit, dennoch - die Story vermag nicht so recht zu überzeugen und wird glücklicherweise durch die Wucht des alpinen Panoramas überspielt. Von der Arbeit der Bergwacht, einer Art Wach- und Schließgesellschaft zwischen Gletschern und Gipfelkreuzen, mit ihrem wackeren Chef (erfreulich: Daniel Morgenroth) möchte man denn auch gern mehr erfahren. Beim ZDF überlegt man, ob nicht das Milieu der Bergwacht für eine Serie tauge. Es wäre sicher eine interessante Alternative zum ewigen Polizeifilm und hätte statt des Verbrechers einen sehr viel würdevolleren Gegenspieler der Zivilisation aufzubieten: den Berg.

Die Bergwacht So 3.6. ZDF, 20.15 Uhr