Dieser Kanzler ist ein Fußballkenner. Das wussten wir. Ein Intellektueller ist er womöglich auch. Daran müssten wir uns noch gewöhnen.

Gerhard Schröder hat es jedenfalls genossen, als Günter Netzer ihm während des Kommentargesprächs zum Cup-Finale seine Ballspiel-Expertise bestätigte.

Bravo! Dieser Ritterschlag auf Schröders zwar nicht kümmerliches, gleichwohl stets streichelbedürftiges Ego verfehlte seine Wirkung keineswegs - es wächst, es wächst, es wächst, um eines der vom Kanzler so sehr geliebten Lieder von André Heller zu paraphrasieren ("Und dann bin i ka Liliputaner mehr"). Womit wir beiläufig bei Schröder, dem Denker, wären.

Daran hat ebenjener André Heller seinen Anteil. Denn es geschah in Wien, wo der vielfältige Kunst-, Kultur- und Konzeptproduzent den deutschen Kanzler in seinen Salon zum Gespräch mit ein paar eingeborenen Intellektuellen gebeten hatte. Dagegen vereinigten sich prompt die Konservativen beider Länder und tadelten den Besuch - teilweise mit dümmlichen Invektiven - als ungebührlich bis skandalös. Schließlich sei Schröder ja eigentlich wegen eines Arbeitstreffens mit dem Christdemokraten Wolfgang Schüssel, also dem Mann, den Jörg Haider zum Kanzler gemacht hat, nach Wien gekommen. Und nun so was: erst ein oppositionelles Gartenfest, dann die Plauderei ("Diskussion") in Hellers Salon.

Es beteiligten sich dort außer ein paar wenigen Dichtern und Denkerinnen auch einige Journalisten, die drauf und dran waren, aus dem Treff eine Pressekonferenz zu machen, hätten nicht die beiden anwesenden Politiker - der deutsche Gast und der populäre Chef der österreichischen Grünen Alexander van der Bellen - das Gesprächsniveau zuvor zeitweise auf angemessene Flughöhe gebracht: Dort war es um die Bedingungen zur Schaffung einer kritischen "europäischen Öffentlichkeit" gegangen, um den Fall Berlusconi und die Bilanz der österreichischen Sanktionsaffäre: Was hat's genützt? Wem hat's geschadet?

Wie weiter?

Staunen und Bewunderung danach, na so was!, aha! und da schau her!. Wer hätte das von Schröder gedacht, der ihnen, ehrlich gesagt, vorher ganz anders vorgekommen war. Auch Peter Turrini, der schweigend gelauscht hatte, sprach von der "intellektuellen Kapazität" des Deutschen. Und van der Bellen bekannte tags darauf im Fernsehen, er habe sein Vorurteil über Schröder revidieren müssen.