Jetzt erwischt es auch die alte Tante Dorothee: Das so familiär in den österreichischen Sprachgebrauch eingegangene älteste Auktionshaus Europas kommt in diesem Herbst selbst unter den Hammer. Und ganz den Gesetzen der Branche gehorchend, wird dann das 1707 von Kaiser Franz Josef I. als Pfandleihe gegründete, derzeit staatliche Haus dem Meistbietenden zugeschlagen.

Im Auftrag der Österreichischen Industrieholding AG (ÖIAG), der Nochbesitzerin des Dorotheums, erarbeitet die Londoner Investmentbank UBS Warburg zügig die notwendigen Voraussetzungen. Mit einem Dossier sollen mögliche Interessenten gezielt angesprochen und dann zu einer "kontrollierten Auktion" geladen werden.

Ob die ÖIAG bereits bestimmte Käufergruppen kontaktiert hat beziehungsweise diese ihrerseits, zum Beispiel Bernard Arnauld, wie man munkelt, an den größten Kunstversteigerer Österreichs herangetreten sind, dazu äußerte sich Generaldirektor Alfred Karny bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz nicht.

Stattdessen präsentierte er Zahlen, die zukünftigen Investoren die Übernahme schmackhaft machen sollen, darunter mit 1,5 Milliarden Schilling Umsatz und einem Gewinn von 50,1 Millionen Schilling im Jahr 2000 das bisher beste Ergebnis der Firmengeschichte in den drei Abteilungen: Auktion, Freiverkauf (Dorotheum Shop) und der immer noch existierenden Pfandleihe.

Bereits vor einem Jahr hatte die Regierung den Verkauf beschlossen, der in einer Reihe zu veräußernder Staatsbetriebe wie der Postsparkasse und der Telekom Austria zu sehen ist. Inzwischen stehen die Zeichen für das Dorotheum günstig. Die Umsätze der 19 Filialen zwischen Salzburg und Linz, Graz und Klagenfurt und in dem 1909 erbauten Palais in der Wiener Dorotheergasse florieren. Die Ergebnisse der vor drei Jahren in Prag installierten Niederlasssung können sich sehen lassen.

Gemeinsam mit zehn anderen internationalen Kunstversteigerern hat das Dorotheum zudem als International Auctioneers den Sprung ins Internet geschafft. Die Auktion in dieser Woche, Modern Art, mit 128 Werken, darunter solchen von Alexander Calder, August Macke, Jean-Michel Basquiat, findet simultan in den Sälen der Ausrichter in Wien, Mailand, Köln, Zürich, Madrid, Paris und Los Angeles statt. Online-Bieter können unter www.ebaypremier.com mitmischen.

Die 1923 gegründete Bankabteilung hat das Unternehmen vor der kostspieligen Euro-Umstellung an das Privatbankhaus Carl Spängler & Co abgestoßen.