Als Daniel Spoerri, der Schweizer Objektkünstler, jung war, das war in den sechziger Jahren, da war er schmal und witzig, kochte, im Namen des Lebens und der Kunst, für Fremde und Freunde. Mit Kollegen gründete er die Eat-Art-Galerie in Düsseldorf und erfand das Fallenbild, auf dem die Reste einer Mahlzeit fixiert und samt Tischplatte an die Wand gehängt wurden. Jetzt ist Daniel Spoerri 71 Jahre alt und breit und wichtig, dem Alkohol soll er abgeschworen haben. Dafür hat er sich einen Skulpturenpark in der Toskana zugelegt, in dem es auch einen Bronzeguss seines frühen Pariser Studiozimmers zu sehen gibt, das aber auch in Basel für die große Retrospektive im Jean Tinguely Museum (bis zum 2. September) aus Resten der Erinnerung und Gegenwart nachgebaut wurde. Die Fallenbilder, auf denen, je nachdem, ob die Henkels oder die Spezis am Tisch saßen, waren und sind Stillleben der besonderen Art, Porträts aus Messer, Gabel, Ölsardinenbüchse, Zigarettenasche, Rotweinfleck. Es sind Bilder, denen man nachsinnen kann.

Aber seit vielen Jahren will Spoerri uns nicht mehr nachdenken lassen, sondern oktroyiert uns Vanitas-Botschaften zum Sonderpreis für Begriffsstutzige. Auf Flohmärkten und im Großeinkauf erwirbt er Masken, Skelette, Glasaugen, Glühbirnen, Drähte, Tierhäute, Fotos et cetera pp. und montiert sie zu Materialcollagen, die vielleicht noch auf dem Rummelplatz einen spitzen Schrei auslösen können. Im Hause seines Freundes Jean Tinguely, in dem die Alteisenmaschinen wechselnd vor sich hin dösen und lärmend explodieren, sind sie die Katastrophe der falschen Art.