Ich kann den Rücktritt der aufrechten Vorsitzenden der Strahlenschutzkommission, Frau Professor Blettner, gut nachvollziehen und bedanke mich für ihre konsequente Haltung.

Professor Kunis wissenschaftliche Reputation geht gegen null. Vor einigen Jahren warnte er vor Castortransporten und verbreitete weit außerhalb der wissenschaftlichen Diskussion liegende Risikobewertungsfaktoren für die Neutronenstrahlen. Die damalige niedersächsische Umweltministerin Monika Griefahn, bestimmt nicht als Lobbyistin der Nuklearindustrie verdächtig, wollte der Behauptung nachgehen und berief eine Expertenanhörung ein. Kuni kniff, und Griefahn erklärte nach der Anhörung, dass die Kuni-Faktoren außerhalb wissenschaftlicher Erkenntnisse lägen.

Jörg Brauns Strahlenschutzbeauftragter Hanau

Frau Professor Blettners Aufregung ist schwer zu verstehen. Nach dem Regierungswechsel hat Minister Trittin die Strahlenschutzkommission aufgelöst und eine neue SSK berufen. Von den 14 Mitgliedern waren 10 bereits Mitglieder der von Frau Merkel berufenen alten SSK. Wäre es Minister Trittin um eine Gesinnungskommission gegangen, hätte er ganz anders vorgehen können. Es ist eine leichte Übung, sich zu überlegen, dass in der SSK nach Trittin kaum andere Beschlüsse vorstellbar sind als in der SSK nach Merkel, was auch immer unser Umweltminister sich dabei gedacht haben mag. Professor Kuni wurde nicht einmal als Mitglied, sondern lediglich als Mitglied eines Ausschusses der SSK berufen.

Über die wissenschaftlichen Arbeiten von Professor Kuni und über seine Vortragstätigkeit kann man sich leicht im Internet informieren. Die Arroganz gegenüber Professor Kuni als einem, der sich mit den Wirkungen niedriger Strahlendosen befasst, erscheint abenteuerlich, insbesondere deshalb, weil auch die offiziellen Angaben zum Strahlenrisiko unaufhörlich zumehmen. Das gilt auch für die Risikobewertung von Neutronenstrahlen, mit der sich Professor Kuni auf einem hohen wissenschaftlichen Niveau seit Jahren befasst.

Dr. Angelika Claussen Vorsitzende der IPPNW Dr. Sebastian Pflugbeil Präsident der Gesellschaft für Strahlenschutz