Nein, ich war nicht beim Großen Preis von Monaco

ich bin fünf Tage vorher abgereist. War mir zu verwrummt.

Natürlich wusste ich, dass das Formel-1-Rennen bevor stand. Niemand, der nicht blind und nicht taub war, konnte es übersehen: eine Stadt - pardon: ein Staat - im Taumel des großen Wrumm-wrumms. Was ich nicht wusste, war, dass es eine deutsche Veranstaltung ist. Nicht weil Zlatko und Henry Maske in der Hotelhalle herumstanden und Boris erwartet wurde. Nein, jeder deutsche Automobilist, der mehr als 8 Zylinder unter der Motorhaube hat, war da und machte wrumm-wrumm.

Als mir beim Mittagessen im Louis XV zum ersten Mal der Trüffelgelee von der Gabel rutschte, hielt ich meine Tatterfinger für die Ursache. Doch dann schwappte der Wein, den ich mir hinter die Binde gießen wollte, an meinem Ohr vorbei, und eine frische Morchel konnte ich gerade noch mit der Serviette auf dem Schoß retten. (Wäre auch schade gewesen

man schmeckte die Meisterschaft des Küchenchefs heraus.) Und wir merkten: Was da in der Ferne donnerte, war kein Gewitter. Es waren die vereinten Donnerbolzen mit deutschen Nummernschildern, die sich inzwischen vor dem Hotel eingefunden hatten.

In Vierzylinderkreisen mag es auf Unglauben stoßen, wenn ich sage, die Ferraris waren bunt. Tatsächlich gab es im Restaurant mehr Rot auf den Tellern (Tomaten, Hummer) als draußen vor den Fenstern. Hellblau, Gelb, Hellgrün und Silber sind die Farben dieser Saison. Nur Mercedes (ab 200 000 Mark) trat uniform in Silber an, vielleicht wollten sie mit den Bentleys verwechselt werden, die VW für eine halbe Million verkauft. Eine Jahresproduktion, nämlich sechs Stück, parkte silberglänzend mit butterfarbenen Ledersitzen ebenfalls vor dem Hotel. Außerdem mehrere Hundertschaften von Gaffern, die gern mit den Stars verwechselt werden, weshalb sie immer herumstehen, wo Jerry Lewis (in lächerlichen Shorts) und die Hostessen der Sponsoren (in wunderbaren Shorts) auftauchen.

Während des Rennens, erzählt Franck Cerutti, der von Ducasse eingesetzte Küchenchef des Gourmettempels, tragen die Kellner Oropax, und wir servieren nur ein Menü, weil niemand individuelle Wünsche artikulieren und niemand sie verstehen könnte. Wrumm-wrumm. Und der Sommelier wringt die Flasche mit dem herrlichen Hermitage blanc 1994 von Chave über meinem Glas aus und versichert: Das ist noch nichts