Wer sein Geld bei einer Bank in der Schweiz oder in Luxemburg anlegt und es dem Finanzamt verschweigt, macht sich strafbar. Bis zu fünf Jahre Gefängnis droht den Steuerhinterziehern laut Paragraf 370 der Abgabenordnung.

Das Risiko, erwischt zu werden, ist allerdings gering. Ohne einen begründeten Verdacht dürfen Steuerfahnder keine Konten einsehen - eine Überweisung ins Ausland können sie in der Regel nicht nachweisen. Nur wenige Steuerflüchtlinge machen sich deshalb die Mühe, ihr Schwarzgeld persönlich durch die Zollkontrollen nach Luxemburg oder in die Schweiz zu bringen.

Weil die Flucht vor dem Fiskus so einfach ist, sind die legalen Alternativen relativ unbeliebt - viele wissen nicht einmal davon: Wer sein Geld in Schwellenländern wie Brasilien, Argentinien oder der Türkei investiert, kommt in den Genuss der so genannten fiktiven Quellensteuer. Obwohl diese Länder keine oder nur eine geringe Steuer auf Zinsen und Dividenden erheben, können Deutsche bei ihrem Finanzamt angeben, sie hätten im Ausland bereits eine Quellensteuer von bis zu 20 Prozent gezahlt - ganz legal. Diese fiktive Steuer rechnet das Finanzamt in voller Höhe an. Im besten Fall bekommt der Anleger sogar eine Rückzahlung.

Das Problem: Investments in Unternehmens- oder Staatsanleihen aus Schwellenländern sind riskant. Oft ist zweifelhaft, ob der Emittent der Anleihe das geliehene Geld jemals wieder zurückzahlen kann. Im schlimmsten Fall sieht der Anleger die investierte Summe nie wieder. Dieses Risiko soll eine Rendite von bis zu zehn Prozent wieder ausgleichen - das ist deutlich mehr als bei Anleihen aus Industrieländern.

Nur für nervenstarke Anleger

Finanzexperten raten dennoch zur Vorsicht. "Bei Anleihen aus Schwellenländern ist es besonders wichtig, den Markt und das Unternehmen genau zu beobachten", sagt Fritz Engelhard, Leiter der Anleihenanalyse bei der HypoVereinsbank in München. "Wichtig ist in erster Linie die Qualität der Anleihe, erst danach sollten sich Anleger über den steuerlichen Vorteil Gedanken machen." Anleihen aus Schwellenländern "sind nur etwas für Leute, die den Nervenkitzel brauchen", mahnt Arno Gottschalk von der Verbraucherzentrale Bremen. "Für alle anderen gilt: Finger weg!" Um zumindest das Währungsrisiko auszuschalten, sollten Anleger nur Anleihen kaufen, deren Wert in Mark oder Euro notiert ist. So ist wenigstens das Wechselkursrisiko ausgeschlossen.

Den größten Steuervorteil versprechen Investments in Südkorea, Uruguay, Bolivien und Brasilien. Wer in diesen Ländern Unternehmens- oder Staatsanleihen kauft, kann sich in Deutschland satte 20 Prozent fiktive Quellensteuer anrechnen lassen. Allerdings sind die Gefahren dort auch besonders groß: Die Rating-Agentur Standard & Poor's, die die Kreditwürdigkeit von Ländern und Unternehmen bestimmt, bewertet zum Beispiel Brasilien mit der Note "BB-". Übersetzt bedeutet das: spekulative Anlage, nur mäßige Deckung für Zins- und Tilgungsleistungen. Eine bessere Bewertung hat zum Beispiel Portugal mit AA (hohe Qualität). Für Anlagen in dem EU-Land können sich Deutsche immerhin noch 15 Prozent fiktive Quellensteuer berechnen lassen.