Jacques Cohen ist nicht zu sprechen. Jedenfalls nicht für Reporter.

Vielleicht ist das besser so, mit der Kommunikation hatte der Reproduktionsforscher in letzter Zeit nicht viel Glück. Vor einigen Wochen war er so unvorsichtig, sich der ersten Keimbahnmanipulation zu rühmen.

Seither wird er als Schöpfer von genetisch veränderten Babys durch die Medien gereicht. Vielen Fachkollegen und Ethikern gilt er als Hasardeur ohne Skrupel. Der Wissenschaftler vom St. Barnabas Medical Center in Livingston, New Jersey, hat 16 Kinder mit einer umstrittenen Methode gezeugt. Mindestens zwei von ihnen haben drei genetische Eltern. Neben mütterlichen und väterlichen Genen besitzen sie auch etwas Erbgut von einer zweiten Frau. Nun droht weiteres Ungemach: Möglicherweise ist Cohens Methode mit dem Risiko eines genetischen Defekts behaftet.

Cohen hilft Eizellen von unfruchtbaren Frauen auf die Sprünge, indem er ihnen einen Schuss Zellflüssigkeit aus dem Ei einer jungen Spenderin verpasst. Der Haken der Verjüngungskur: Auch eine kleine Menge Erbgut der Spenderin gelangt in das Ei (ZEIT Nr. 20/01). Diese Fremd-DNA ist Teil der Mitochondrien, der Kraftwerke in der Zelle. Das Verfahren gilt somit als Keimbahntherapie - auch wenn nicht gezielt Gene verändert wurden. Schädlich sei das nicht, versucht Cohen die Gemüter zu beruhigen. Überhaupt solle man das Ganze nicht so negativ sehen: "Diese Kinder wären nicht auf der Welt, hätten wir das nicht getan." Auch in Italien, Israel und Taiwan wurde schon mit der Methode gezeugt, hierzulande ist sie verboten.

Die Kinder - das erste war die inzwischen vierjährige Emma Ott - erfreuen sich nach Auskunft der Klinik bester Gesundheit. Nur, in seinem Bestreben, alle Welt von der Harmlosigkeit des so genannten Eiplasmatransfers zu überzeugen, hat Cohen ein Detail unerwähnt gelassen. Erst jetzt ist bekannt geworden: Sein Verfahren führte nicht nur zur ersten "menschlichen Keimbahnveränderung in gesunden Kindern". Außerdem kamen dabei zwei nicht ganz so normale Embryonen heraus. Beide schafften es nicht bis zur Geburt.

Sie litten unter einer seltenen Chromosomenstörung, dem Turner-Syndrom.

Normalerweise sind 15 von 1000 Embryonen mit diesem Defekt behaftet - ihnen fehlt ein Geschlechtschromosom. Die meisten enden in einer Fehlgeburt, nur eins von 2500 Kindern mit der Anomalie kommt lebend, aber nicht gesund auf die Welt. Sie haben oft Fehlbildungen und sind steril. Unter den mit Cohens Verfahren gezeugten Kindern liegt die Turner-Rate zehnfach über der Norm. Und das verschreckt die Fachkollegen. Vielleicht war es auch bloß Pech - nur 18 Embryonen lassen keine gültigen Aussagen zu. Immerhin, seine Klienten informiert Cohen über das Risiko: In Aufklärungsformularen werden die Turner-Embryonen erwähnt.