U M W E L T Irrsinn mit Methode

Verbrennen oder verrotten lassen? Pyromane und Biophile kämpfen um Bio- und Restmüll. Je knapper er wird, desto schöner blüht das Geschäft

Manchmal hilft ein Blick ins Gesetzbuch. Manchmal aber auch nicht. "Abfall", sagt das Kreislaufwirtschaftsgesetz, "ist eine bewegliche Sache, deren sich der Besitzer entledigen will oder muss." Wenn es bloß so einfach wäre. Montags kommt der gelbe Sack an die Straße, dienstags das Altglas zum Container, mittwochs die Müllabfuhr, freitags ein freundlicher Herr vom Dualen System, der die Altpapiertonne abholt. Zweimal im Jahr fährt der "Waschbär" vor und spült die Biotonne durch. Dann wären da noch die Altkleidersammlung, die Sperrmüllabfuhr, der Problemstoffbus. Wie Moses prophezeite: "Sechs Tage in der Woche sollt ihr sammeln." Am siebenten Tag aber ist noch lange nicht Sabbat, denn da werden die Batterien sortiert.

Man muss heutzutage unterscheiden: Ist das ein Wertstoff? Restmüll? Bioabfall? Für Oma Meyer ein echtes Problem. Nicht nur für Oma Meyer übrigens, wie eine Untersuchung am Witzenhausen-Institut für Abfall gezeigt hat. So, wie 30 Prozent im gelben Sack Fehlwürfe sind, wandert umgekehrt viel Nützliches in die graue Tonne. Der Bürger nimmt es nicht so genau und vertraut ihr alles an, auch den Rasenschnitt vom Wochenende oder seinen alten Wintermantel. Knapp ein Drittel des deutschen Hausmülls sind Bio- und Grünabfälle. Ein weiteres Drittel sind Papier, Textilien, Kunststoffe, Holz - Materialien mit hohem Brennwert. Beides aber, Grünes und Brennbares, gehört nach dem Willen des Gesetzgebers in Zukunft nicht mehr auf die Müllkippe. 2005 tritt eine neue Stufe der Technischen Anleitung Siedlungsabfall (TaSi) in Kraft. Nur noch "erdkrustenartige", also mineralische Stoffe sollen auf die Deponien gelangen. Spätestens dann muss der gesamte Restmüll vorbehandelt werden. In der Praxis heißt das: kompostiert, getrocknet oder verbrannt.

Man findet den Weg zur OAR (Organische Abfall Rückgewinnung) auch ohne Straßenkarte - immer den Möwen nach. Kurz hinterm Nordostseekanal liegt im Landkreis Rendsburg die Kompostierungsanlage Altenholz. 10 000 Tonnen Bioabfälle aus der Stadt Kiel und aus acht umliegenden Gemeinden werden hier jährlich entsorgt. Eine Fuhre kommt auf den Hof, der Fahrer leert sie aus. "Prima", sagt Bernd Clausen, "besser kann man's nicht haben". Im Frühsommer und im Herbst fällt ausreichend Gartenabfall an, der die Masse locker und trocken hält. Küchenabfälle allein sind zu feucht, denen mischt der Betriebsleiter Strukturmaterial unter. Das kann alles mögliche sein, zum Beispiel ein abgedecktes Strohdach, das gerade hereingekommen ist. "Hundert Jahre alt", schätzt Clausen, "da ist noch Roggenstroh drin."

Nebenan stehen zwei Hallen. Die eine ist halb gefüllt, ein Radlader schiebt die neue Fuhre dazu. Der Geruch, der aus der Halle dringt, ist nichts für schwache Mägen. Die zweite Halle ist voll. Clausen öffnet kurz die Schiebetür. Kurz kann ziemlich lang sein. Die Schwaden, die herauswabern, könnten eine Sippschaft Ratten in die Flucht treiben. "Das ist die Vorrotte", erläutert Clausen mitfühlend. 65 Grad Celsius, 100 Prozent Luftfeuchtigkeit. Dreimal die Woche wird umgewendet.

Kompostierwerke stehen bei der Bevölkerung nicht ohne Grund in üblem Ruch. Zwar sind 35 Prozent aller deutschen Haushalte an das System der Biotonne angeschlossen. Und die Bürger werfen auch allerhand hinein: 7,5 Millionen Tonnen Bioabfall wurden nach Angaben der Bundesgütegemeinschaft Kompost in den Jahren 1998/99 gesammelt. Rund 600 Betriebe erzeugten daraus vier Millionen Tonnen Kompost. Nur mit Mühe wurden sie ihn wieder los. "Kompost", sagt Werner Bidlingmaier, Professor für Abfallwirtschaft an der Universität Weimar, "steht zurzeit mal wieder im Verschiss." Für ihn ist das nichts Neues. Seit 30 Jahren befasst er sich mit dem Thema, immer wieder hat er Diskussionen um Schadstoffe erlebt. Jüngste Meldung: Tod aus der Biotonne. Rechtsmediziner der Universität Göttingen wollen einen Zusammenhang zwischen Botulismuserregern aus Biokompost und plötzlichem Kindstod gefunden haben. Trotzdem glaubt Bidlingmaier: "Kompost kann man nicht kaputtmachen. Wir werden auch das überstehen."

Ein Teil des miesen Images stammt aus vergangenen Tagen. Bis Ende der achtziger Jahre war es üblich, unsortierten Hausmüll zusammen mit Klärschlamm zu kompostieren. Das Produkt konnte nicht besser sein als die Ausgangsstoffe; Schwermetalle und Verunreinigungen fanden sich darin in hoher Konzentration. 1993 trat die erste Fassung der TaSi in Kraft. Die Landkreise sahen sich vor neue Entscheidungen gestellt. Zentrale oder dezentrale Kompostierung? Eingehaust oder nicht? Mit Reaktor oder ohne? Belüftet oder unbelüftet? In Trommeln, Tunneln oder Mieten? Egal, wie sie es machten, ohne Widerstand aus der Bevölkerung ging das selten ab. Meist stank den Bürgern das ganze Verfahren. Zumal sie kräftig zur Kasse gebeten wurden; in Bayern wurden damals Kosten zwischen 340 und 520 Mark pro Tonne (Megagramm Mg) Bioabfall ermittelt.

Bald häuften sich die Berichte über Madenwanderungen und andere unappetitliche Begleiterscheinungen des organischen Recyclings. Und es bildeten sich zwei Fraktionen: die der Biophilen und die der Pyromanen. Die Biophilen wollten um jeden Preis auch den Restmüll mechanisch-biologisch behandelt wissen. Die Pyromanen auf der anderen Seite wollten Schluss machen mit dem Rottewahn und den Kram komplett verbrennen. Hamburgs damaliger Umweltsenator Fritz Vahrenholt führte die Verbrennungsfraktion an; er hielt auch die Sammelei im gelben Sack für einen Schwindel und hätte mit dem hanseatischen Gesamtmüll lieber seine vier Verbrennungsanlagen befeuert.

Vordergründig war es ein Glaubenskampf, der da geführt wurde. "Heiß" gegen "kalt" hieß Grün gegen Schwarz beziehungsweise Rot. Aber es ging auch um handfeste Dinge. Treibende Kraft war lange Zeit das Bundesland Nordrhein-Westfalen. Auf dessen Initiative hin wurde der so genannte Anlagenzwang gekippt. Müllverbrennung war fortan auch in Zementwerken oder Ziegeleien möglich. Gleichzeitig wurden mit einer neuen Verordnung zum Bundesimmissionsschutzgesetz, von Fachleuten 17. BImSchV genannt, die Grenzwerte für Schadstoffe in der Abluft von Müllverbrennungsanlagen herabgesetzt. Außerdem wurden so genannte "Glühverlustrichtwerte" festgeschrieben; danach durfte künftiger Deponieabfall nur noch einen minimalen Anteil organischen Kohlenstoffs enthalten. Das alles wurde von Fachleuten in endlosen Sitzungen diskutiert, praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit, weil zu diesem Zeitpunkt die Wiedervereinigung jedes andere Thema von der Tagesordnung verdrängte. Umweltpolitik fiel in der Gunst der Wähler über Nacht auf null.

Die Tricks der Müll-Mafia

Nur wer damals regelmäßig das Entsorga Magazin las, hätte mitbekommen, worum es wirklich ging: Um einen gewaltigen Markt. Von 20 neuen Müllverbrennungsanlagen und weiteren 500 Anlagen zur Verwertung des Hausmülls war die Rede. Investitionsvolumen allein für die Verbrennung: 50 bis 70 Milliarden Mark. Eine Nummer zu groß jedenfalls für die Mehrzahl der mittelständischen Betriebe, die sich bis dahin, in der Tradition von Schrotthändlern, um die Entsorgung gekümmert hatten.

Das Gewerbe war reif für die Übernahme. Auf der Kriegskasse saßen die Energiekonzerne. In den Jahrzehnten des Strommonopols hatten sie Reserven in beträchtlicher Höhe gebildet. Damit stiegen sie groß in den Abfallsektor ein. Vorneweg der Stromriese RWE, der sich innerhalb von vier Jahren mehr als hundert Entsorgungsbetriebe einverleibte. Gleich dahinter VEW und Veba, Ruhrkohle, Viag, Badenwerk. Alle hatten nur einen Rohstoff im Visier: den Müll. Und so geschah das große Mirakel. Müll wurde von heute auf morgen knapp. Wusste vorher niemand, wohin damit, rauften sich auf einmal alle um den Dreck. "Sie jagen jeder Tonne hinterher", wunderte sich Der Spiegel.

Das Geschäft mit dem Abfall, sagen Insider, ist heute härter denn je. Von einer "Müll-Mafia" ist immer wieder die Rede. Nur in den Zeugenstand mag selten jemand treten. Ein paar Tricks sind immerhin aktenkundig. Hausmüllähnlicher Gewerbemüll wird kurzerhand umdeklariert in "Abfall zur Verwertung". Als solcher muss er den Gemeinden nicht mehr angedient werden. Die teure kommunale Beseitigung entfällt, stattdessen wird die Fuhre mehrfach umgeladen und in den Osten der Republik gekarrt. Dort wird zum Schein ein bisschen sortiert, der große Rest geht auf eine Billigdeponie. Berüchtigt ist das Loch von Halle-Lochau, wo in einem ehemaligen Braunkohletagebau jährlich 900 000 Tonnen Abfälle verschwinden - zu Kosten von weniger als 100 Mark pro Tonne. Gesamtzahlen sind auch hier nicht verfügbar. Experten wie Uwe Lahl, ehemaliger Umweltdezernent der Stadt Bielefeld, können allenfalls schätzen, dass auf dem Wege der Scheinverwertung jährlich rund fünf Millionen Tonnen vagabundieren. "Ist der Müll erst zur Verwertung freigegeben", sagt Klaus Wiemer vom Fachgebiet Abfallwirtschaft der Universität Kassel, "wird er extrem geländegängig."

Trick Nummer zwei: Bergversatz. Industrieabfälle und Sondermüll werden in ehemaligen Bergwerken verklappt. Der Vorteil der Methode liegt auf der Hand. Würde man sie nach dem Abfallrecht beseitigen, kämen Deponiekosten von 1000 Mark und mehr pro Tonne auf die Verursacher zu. Untertage aber gilt das Bergrecht, und das verlangt, die Gruben zwecks Erhöhung der Standsicherheit zu verfüllen. So mutiert der Müll zu einem "bergbaufremden Reststoff", der bloß noch mit 100 bis 300 Mark zu Buche schlägt. Vor allem die Betreiber von Verbrennungsanlagen nutzen dieses Schlupfloch, um ihre giftigen Schlacken und Stäube loszuwerden. Nach EU-Recht ist der Bergversatz mit Sondermüll eigentlich nicht zulässig; jetzt arbeitet man im Umweltministerium an einer Verordnung, die diese Klippe umschiffen soll.

Trick Nummer drei: Import und Export. Sortierreste aus dem Dualen System, alte Reifen, Schrottautos, Kühlschränke - es gibt nichts, was nicht über die Grenzen geschoben würde. Häufig illegal. Aber auch legal. Es darf sich nur nicht um Abfall handeln. Handelt es sich dagegen um eine Ware, darf sie überallhin. Mit der EU-Erweiterung Richtung Osten wird in Zukunft ein Preisgefälle entstehen, das den Mülltourismus so richtig auf Touren bringen könnte. Zurzeit kaufen sich die großen Entsorgungsunternehmen in Polen ein.

Irrsinn, aber mit Methode - so könnte man die Situation auf dem Abfallmarkt beschreiben. Dabei fehlt es nicht an Vorschriften. Die Frage beispielsweise, wann Kompost noch Abfall ist und wann er zum Produkt wird, ist genau geregelt, und zwar nach dem Kreislaufwirtschaftsgesetz, der Bioabfallverordnung, der Klärschlammverordnung, dem Düngemittelgesetz, der Düngemittelverordnung, der Düngeverordnung, dem Bundesbodenschutzgesetz, der Bundesbodenschutzverordnung sowie dem geltenden Europäischen Abfallkatalog (ein Richtlinienentwurf der Europäischen Kommission zur biologischen Behandlung von Bioabfällen ist in Arbeit). Sechs Jahre lang ist allein das Kreislaufwirtschaftsgesetz im Bundestag und im Bundesrat debattiert worden. Ein Heer von Referenten hat daran gearbeitet, so gut wie jeder Interessenverband durfte seine Bedenken einbringen. Ergebnis: siehe oben.

Ganz und gar aus den Augen verloren ging dabei das Ziel der Kreislaufwirtschaft. Zur Erinnerung: Es hieß Müllvermeidung. Davon kann bis heute keine Rede sein. Der Abfallstrom ist im Wesentlichen geblieben. Nur seine Richtung hat sich verlagert. Niemand redet mehr vom Entsorgungsnotstand. Ganz im Gegenteil sieht es inzwischen so aus, als hätten wir zu wenig Abfall. "Ein ehemals klar abgegrenzter Wachstumssektor", heißt es dazu im Müll Handbuch, dem Standardwerk der Abfallwirtschaft (13 200 Seiten, Eugen Schmidt Verlag), "sieht sich mit stagnierenden Marktvolumina und Überkapazitäten konfrontiert."

Wie sähe ein perfektes System aus?

Noch nagt die Branche nicht am Hungertuch. Es geht trotz allem um 80 Milliarden Mark pro Jahr. Entsorgung heißt heute High-Tech, eine moderne Müllverbrennungsanlage mit mehrstufiger Abgasreinigung ist kaum unter 400 Millionen Mark zu haben. Nur um eine Größenordnung darunter liegen die Investitionskosten für mechanisch-biologische Anlagen. Bernd Bilitewski vom Institut für Abfallwirtschaft der TU Dresden rechnet je nach Jahresdurchsatz mit 10 bis 70 Millionen Mark. Mit den Kompostwerken der ersten Generation hat das nicht mehr viel zu tun.

In mechanisch-biologischen Anlagen entsteht auch gar kein Kompost mehr. Trockenstabilat nennt die Firma Herhof ihr Produkt, das sie aus dem Restmüll des hessischen Lahn-Dill-Kreises destilliert. Es sind bräunliche Pellets mit dem Heizwert von Braunkohle, sie sollen energetisch genutzt werden. Der Müll, der in die Anlage wandert, wird geschreddert und eine Woche lang in Behältern aus Stahlbeton gelagert. Dabei geht die organische Fraktion ansatzweise in Verrottung über. Das Verdunstungswasser wird abgeschieden; was übrig bleibt, wird noch einmal getrennt, in Metall, Schwergut und Stabilat. Um das Verfahren gab es wegen der Gesamtemissionen heftigen Streit mit Gutachtern vom Ökoinstitut Darmstadt. Inzwischen ist der Betrieb genehmigt, weitere Anlagen in Dresden und Venedig sind im Bau.

Wortreicher Vorkämpfer der Herhof-Technik war der Wetzlarer Landrat Karl Ihmels. Ihm war die Sammelei im gelben Sack ein Dorn im Auge, er wollte ein eigenes Müllkonzept. Hätte sich Ihmels gegen das Duale System durchgesetzt, hätten die Bürger seines Landkreises wiederum anders als der Rest der Republik sortiert: Kleine Kunststoffverpackungen, Weißblech und Aluminium wären zwischen Lahn und Dill in den Restmüll und anschließend in die Stabilat-Anlage gewandert. Das Verwaltungsgericht Gießen hat dem Landrat vorläufig einen Strich durch die Rechnung gemacht. Ihmels will nicht aufgeben. Es sei nur noch eine Frage der Zeit bis zum "endgültigen Sieg des Trockenstabilats".

Bernd Clausen schließt die Tür. Der Gestank legt sich. "Nicht schön", gibt er zu. Wenn es nach Clausen ginge, müsste er auch nicht sein. Die OAR in Altenholz hat vor zehn Jahren ein System entwickelt, wie sich Bioabfälle hygienisch sammeln und kompostieren ließen. Im Wesentlichen besteht es aus einer braunen Papiertüte. 15 Liter fasst sie. Unten stopft sie der Bürger mit zerknülltem Zeitungspapier, obendrauf wirft er alles, was in Küche und Garten abfällt. Ein patentierter Halter sorgt dafür, dass die Tüte stets trocken und belüftet bleibt. Einmal die Woche wird das Zeug abgeholt. Tüten samt Inhalt werden bei der OAR unter mobilen Dächern zu Kompostmieten aufgeschichtet, bei Bedarf gewässert und gelegentlich gewendet. Den Rest erledigen Bakterien und Pilze. Low-Tech, wie es simpler nicht geht. Es kommt nur darauf an, die anaerobe Gärung zu verhindern.

So sähe das System idealerweise aus. Real sieht es so aus: 25 000 Haushalte des Landkreises Rendsburg sammeln in der Tüte. 125 000 Haushalte der Stadt Kiel sammeln in der Tonne. Das kommt alles in die Halle. Und wegen der Tonne muss Bernd Clausen die Tür zu seiner Rottehalle immer schön geschlossen halten. Weil der Inhalt schon verschimmelt ankommt. Erst nach vier Wochen darf das Material ins Freie. Da rottet es weitere drei Monaten vor sich hin, ehe es, gesiebt und gemischt mit Bodenaushub oder Sand, in Säcke abgefüllt werden kann.

Noch in einem zweiten Punkt unterscheidet sich die Altenholzer Anlage von anderen Abfallbetrieben. Die OAR beschäftigt viel Personal. Drei Dutzend Angestellte, zwei Dutzend davon behindert. Das war von Anfang an die Bedingung dafür, dass die Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie die Regie übernahm. Zurzeit denkt man darüber nach, einen Teil der Behindertenplätze in normale Arbeitsplätze zu verwandeln, mit normalem Gehalt inklusive Gewinnbeteiligung.

Denn die OAR macht tatsächlich Gewinn. Und das ist ein dritter wichtiger Punkt: Der Kompost aus Altenholz lässt sich verkaufen. Es darf nur nicht Kompost auf der Tüte stehen. Sondern Gärtnererde. Oder Pflanzhumus. Oder Blumenerde. Sechs verschiedene Qualitäten bietet die OAR an, unter dem Markennamen Schreber's. "Wir vermarkten uns als Hersteller von Erde", sagt Bernd Torp, der Geschäftsführer, "nicht als Abfallbetrieb."

Spielen wir zum Schluss Landrat. Wie sähe das perfekte Müllsortiersystem aus? Alles, was organisch ist und stinkt, kommt in den Sack. Alles, was nicht stinkt, kommt in die Tonne. Das eine wird kompostiert, das andere sortiert. Was man nicht verwerten kann, wird verbrannt. Dann kämen alle auf ihre Kosten. Aber das kommen sie jetzt auch. Und deshalb wird beim Müll alles bleiben, wie es ist: so kompliziert, wie es gerade noch geht.

 
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