Der moderne Patriarch
Reinhard Mohn wird achtzig. Der Konzern, den er aufbaute, wendet sich gegen die Tradition
Reinhard Mohn ist Patriarch und Reformer zugleich. Seit er nach dem Krieg den Familienbetrieb mit harter Hand wieder aufbaute, war er überzeugt: Ein Unternehmen muss auf Dauer angelegt sein - und sich deshalb stets erneuern. Aus dem Verlag für christliche Literatur machte er Deutschlands größten Buchclub und formte zusammen mit seinen Nachfolgern den führenden Medienkonzern des Landes. Heute gehören unter anderen der Fernsehsender RTL, die Bertelsmann Music Group und amerikanische Buchverlage dazu.
Der drahtige Westfale, alles andere als gefühlsduselig, wurde früh zum "roten Mohn", der die Mitarbeiter am Erfolg beteiligte. Mohn zufolge sollen alle Organisationen, auch öffentliche Verwaltungen, ihre Mitglieder handeln lassen und dann deren Leistung messen. Dass er selbst so manche Entscheidung einsam vorgab, ist ihm wohl nie als Widerspruch vorgekommen.
Mohn, 79, hat nicht studiert und sich nie für Theorie interessiert. Probleme erkennen und lösen - das war seine selbst gestellte Aufgabe und seine Lust. Erst tat er das im Konzern, später in der einflussreichen Bertelsmann-Stiftung, die er ab 1991 führte und der er zwei Drittel der Firmenanteile überließ. Sein Glaube an die Machbarkeit kannte kaum Grenzen. Neue Mitarbeiter der Stiftung erschreckte er mit dem Auftrag, Kriterien zur Wahl des persönlichen Lebenspartners zu entwickeln.
Reinhard Mohn hat bei Bertelsmann eine "besondere Unternehmenskultur" geschaffen, wie er sagt. Es wird schwer, sie zu erhalten. Auf Drängen des jetzigen Vorstandschefs Thomas Middelhoff stimmte er zu, dass Bertelsmann den Börsengang vorbereitet. Das Unternehmen setzt sich genau der kurzfristigen Bewertung an den Aktienmärkten aus, die Mohn stets ablehnte.
Die Börse im Blick, versucht das Unternehmen nun, effizienter zu werden. Dabei wurden Pläne laut, Tageszeitungen der Bertelsmann-Tochter Gruner + Jahr abzustoßen. Die Familie Jahr, mit 25,1 Prozent beteiligt, weist einseitige Entscheidungen aus Gütersloh aber zurück.
Ende des Monats wird Reinhard Mohn 80 Jahre alt. Das Geschenk: Im kommenden Jahr wird die Stiftung einen Preis ausloben für Projekte, die Kontinuität durch Erneuerung sichern. Die Kriterien dafür stehen noch nicht fest. Mohn wird spazieren gehen und eine "Lösung des Problems" suchen.
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