Ernst Ortlepp
Im rechten Augenblick einen drastischen Tod zu sterben kann einem leidlich beliebten Menschen einen immensen Nachruhm bescheren. Der Dichter Ernst Ortlepp hingegen hatte das Pech, an einem unspektakulären 14. Juni des Jahres 1864 nahe Schulpforta in einen Graben zu fallen. "Brach sich den Nacken", schreibt Nietzsche und fügt, seinen Nachruf im Stile des Werthers fortsetzend, hinzu: "früh morgens bei düsterem Regen begraben". - Umgehend vergessen, müsste man ergänzen, hätten nicht seit einigen Jahren ein Nietzsche-Forscher und zwei Germanisten sich um die Wiederentdeckung eines Mannes bemüht, der zu den ersten Schriftstellern in Deutschland gehörte, die sich als genuin politisch verstanden
der als Übersetzer die Verbreitung Byrons forcierte
und dessen Büchlein Fieschi der Staatskanzler Metternich für so gefährlich hielt, dass er höchstselbst die sächsischen Zensoren in die Spur schickte. November 1835 war der letzte Band beschlagnahmt, am 10.
Dezember erging der denkwürdige Bundestagsbeschluss gegen die Dichter des "Jungen Deutschlands".
Ortlepp wird hierin nicht erwähnt, doch spreche einiges dafür, dass sein missliebiges Buch den Beschluss beschleunigt habe, erklärt Rüdiger Ziemann im Nachwort zu Ortlepps erstmals seit fast anderthalb Jahrhunderten wieder edierten Gedichten (Ernst Ortlepp: Klänge aus dem Saalthal
hrsg. von Roland Rittig und Rüdiger Ziemann
Verlag Janos Stekovics, Wettin 2000
- Datum 13.06.2001 - 14:00 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 25/2001
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