Skopje-Kumanovo-Skopje-Tetovo-Skopje. Das sind zweimal siebzig Kilometer gute Straße. Das ist eine Fahrt vorbei an Soldaten, Polizeiposten und Flüchtlingen, es geht über nahezu leer gefegte Straßen, hinein in ein dichtes Gestrüpp aus Geschichten und Gerüchten über das, was in Mazedonien geschieht und geschehen wird

warum und wie es zum Krieg kommt oder zum Frieden

vor allem aber, warum kaum einer an diesen Staat glauben mag.

Skopje-Kumanovo-Skopje-Tetovo-Skopje ist eine Fahrt durch das Tollhaus Mazedonien.

Nach Kumanovo: Wenige Kilometer außerhalb von Skopje verlangsamt der mazedonische Fahrer Saschko das Auto. Siehst du, da links drüben, das ist Aracinovo. Eine dichte Häuseransammlung an einem trockenen Hügel. Von dort aus hat man einen guten Blick auf die Ebene, in der die Hauptstadt Skopje liegt, auf die Startbahn des Flughafens Petrovec. Die UÇK hat Aracinovo besetzt oder befreit, je nach Lesart. Kommandant Hoxha drohte, er werde den Flughafen angreifen. Mit einem 120-Millimeter-Mörser geht das, sagt Saschko, die Startbahn liegt in Schussweite.

Kommandant Hoxha kann direkt auf die hohen Repräsentanten des Westens zielen, auf Nato-Generalsekretär George Robertson und auf Javier Solana, den Verantworlichen für Außen- und Sicherheitspolitik der EU. Die beiden kommen immer dann, wenn einer wie Hoxha um sich schießt und mehr Rechte für die Albaner in Mazedonien fordert. Sie kommen, verhandeln, drohen, fahren wieder ab, und sie lassen Menschen zurück wie Stevo, einen Bauern aus Aracinovo, der jetzt, während Robertson wieder einmal in der Hauptstadt Gespräche führt, zusammen mit Dutzenden anderen vertriebenen Mazedoniern unter einem Baum hockt. Ob er an eine friedliche Lösung glaubt?

Die Frage will Stevo gar nicht erst beantworten. Er tut es ohnehin nicht, genauso wenig wie er glaubt, er könne je in sein Haus zurück