Ein Vierteljahrhundert hat Jürgen Schacht auf dieses Urteil gewartet.

Jetzt endlich bestätigte der Bundesgerichtshof (BGH), was der Hamburger Anwalt schon in seiner Dissertation gefordert hatte: "Der Wert der Arbeit von Frauen im Haushalt muss anerkannt werden." Durch das Urteil werden Frauen in vielen der rund 192 000 Scheidungen, die in Deutschland jährlich ausgesprochen werden, besser gestellt. Vor allem alleinerziehende Mütter profitieren von der neuen Rechtsprechung.

Um einen exakten Maßstab, wie viel Hausarbeit wert ist, hat sich der XII.

Zivilsenat in dem Grundsatzurteil gedrückt. Statt dessen sagen die Richter: Entscheidend ist, was ein unterhaltsberechtigter Partner nach der Scheidung verdient oder verdienen könnte, wenn er eine neue Arbeit aufnimmt. Daraus ergibt sich praktisch ein Aufschlag für die frühere Hausarbeit.

Die alte Regel war: Erzielte ein Partner während der Ehe ein anrechenbares Nettoeinkommen von 5000 Mark, während der andere die Hausarbeit erledigte, erhielt letzterer etwas weniger als 2500 Mark nach der Scheidung. Nahm der Unterhaltsberechtige später einen neuen Job an, in dem er 2500 Mark verdiente, bekam er keinen Unterhalt mehr. Für den Göttinger Familienrechtsexperten Uwe Diederichsen war diese so genannte Anrechnungsmethode sozialpolitisch verfehlt. "Für Frauen gab es nach der Scheidung bislang keinen Anreiz wieder zu arbeiten." Dies sei auch der Ratschlag jedes Anwalts gewesen.

Anders gestaltet sich die Unterhaltsberechnung von Doppelverdienern. Hätte der unterhaltsberechtige Partner kurz vor der Trennung noch einen Job angenommen und 2500 Mark verdient, so hätte er nach der Scheidung knapp die Hälfte der Differenz zwischen seinem Einkommen und dem des Partners erhalten, hier also zu seinem Verdienst weitere 1250 Mark. Der Grund: Der Verdienst der Frau hatte hier die ehelichen Lebensverhältnisse mitbestimmt.

Der Unterschied zwischen beiden Fällen führte zu Ungerechtigkeiten, die der Richterspruch des BGH nun mildern soll. Hausarbeit wird aufgewertet, in dem sie dem Fall der Doppelverdiener angeglichen wird: Nach der Scheidung gibt es knapp die Hälfte der Differenz zwischen dem Einkommen des Unterhaltspflichtigen und dem Einkommen, das die frühere Hausfrau erzielt oder erzielen könnte.