In der Schlussszene des Films Schtonk steuert Götz George alias Hermann Willié die Göring-Yacht Carin II stolz durch den Hamburger Hafen. Die Figur Willié steht dabei für den Reporter Gerd Heidemann, der sein maritimes Schmuckstück mit dem Geld restaurieren ließ, das ihm der stern für die gefälschten Hitler-Tagebücher gezahlt hatte. Am Donnerstag dieser Woche läuft wieder ein Schiff mit viel Brimborium in Hamburg ein, in das der stern eine Menge Geld gesteckt hat. Und bei der Illustrierten fragt sich so mancher, ob sich diesmal die Investition gelohnt hat.

Auf der Brücke der Starship steht Michael Poliza, 43. 1000 Tage lang, fast drei Jahre, war er mit seiner Crew auf See. 150 000 Kilometer legte das Boot zurück, fuhr nach Tahiti, nach Galapagos und um Kap Hoorn - "mit der Geschwindigkeit von gestern, der Technik von heute zu den Themen von morgen", wie es vor der Reise hieß.

Damals, im Frühjahr 1998, begann der Begriff "Millennium" gerade erst zum Modewort zu werden. Es waren noch fast zwei Jahre bis zum großen Datumswechsel, und da klang ein Projekt mit dem Namen Starship Millennium Voyage noch richtig futuristisch. Poliza ließ die Starship für sechs Millionen Mark im amerikanischen Seattle bauen. Es sollte kein normales Schiff werden, sondern eine High-Tech-Yacht mit drei Navigationssystemen, Videoausrüstung samt Schnittplatz und ständiger Internet-Verbindung per Satellit. Die Fahrt würde eine Traumreise sein, ein Ausstieg auf Zeit, den sich nur Leute leisten können, die wie der 43-jährige Exunternehmer schon ein bisschen Geld auf die Seite geschafft haben. Und die schlau genug sind, Sponsoren dafür zu bekommen: Genaue Zahlen gibt es nicht, aber etwa die Hälfte seines Reisebudgets von sieben Millionen Mark hat Poliza vom stern sowie von Firmen wie Sony, Microsoft und Olympus bekommen, die das Motorboot gratis mit der neuesten Technik vollstopften.

Die Vorstellung des damaligen stern-Chefredakteurs Werner Funk: Reporter des Blattes sollten jeweils für ein paar Wochen als Passagiere mitfahren und dann erstklassige Geschichten aus der großen weiten Welt in die Hamburger Redaktion liefern.

Und so trudelten nach dem Stapellauf im August 1998 bald die ersten Artikel ein. Vor allem die Delfine hatten es den Schreibern angetan: "Die Delfine sind vernarrt in die Starship" (stern 36/98), "Am Morgen kommen die Delfine" (2/00), "Delfine gehören zu den gern gesehenen Besuchern der Starship" (7/00) - immer wieder tummeln sich die freundlichen Meeressäuger in den Einstiegsabsätzen der Starship-Reportagen.

Doch 1000 Tage können sich ganz schön hinziehen, mit oder ohne Delfine. Die exotischen Storys kamen immer seltener. Vor allem nachdem Funk Anfang 1999 von Michael Maier abgelöst wurde, hatte die Chefredaktion des sterns wohl andere Sorgen, als sich um ein Schiff zu kümmern, das in einer entlegenen Ecke der Welt auf Verlagskosten unterwegs war - lediglich drei größere Starship-Geschichten standen 1999 im Blatt. "Herr Maier hatte in der Tat wenig Zeit, sich um die Starship zu kümmern", sagt Thomas Osterkorn, der zusammen mit Andreas Petzold den glücklosen Chefredakteur nach einem halben Jahr ablöste. Dann mahnten die beiden Neuen wohl mehr Texte an: Ab Februar 2000 schrieb Skipper Poliza jede Woche eine "Postkarte", zehn Zeilen Exotik für den stern-Leser. Erst in diesem Jahr gab es wieder eine Häufung größerer Starship-Storys, die vergangene Woche in einer zehnseitigen Bildstrecke mit den schönsten Fotos der Expedition gipfelte.

Aufs Zeilenhonorar möchte sich Chefredakteur Osterkorn die Starship-Investition jedoch nicht umrechnen lassen. "Für uns hat sich das Engagement hundertprozentig gelohnt, finanziell und auch fürs Heft." Von den Sponsoren aus der Industrie sind nicht ganz so euphorische Töne zu hören.