Europas Ehrgeiz, militärisch selbstständiger zu werden, stößt in Amerika nach wie vor auf unverhohlene Skepsis. Kein Wunder: Drei Jahre sind seit dem Beschluss vergangen, bis 2003 eine eigene Truppe für humanitäre Einsätze auszurüsten. Doch die 15 EU-Staaten bleiben den Nachweis schuldig, dass sie ihre im Kosovo-Krieg erkannten Defizite ausgleichen können.

Jetzt haben die Europäer sich zu einer Zwischenprüfung angemeldet, die man getrost heroisch nennen kann. Die Verteidigungsminister von neun europäischen Nationen vereinbarten am Dienstag auf der Luftfahrtmesse von Le Bourget bei Paris, dass sie erstmals gemeinsam ein militärisches Transportflugzeug entwickeln und beschaffen wollen

von 2007 an soll es über 15 Jahre hinweg ihre betagten Flotten ersetzen.

Der größte Kunde des Airbus A400M orderte 73 der insgesamt 212 Exemplare: Rudolf Scharping. Ganz wohl kann ihm bei der Unterschrift nicht sein. Denn dieser Wechsel ist nicht gedeckt. Und seine Kollegen wissen es.

Immerhin platzt der Wechsel nicht sofort. Der Minister konnte nach monatelangen, verbissenen Verhandlungen durchsetzen, dass Deutschland als einziger der neun Konsortialpartner erst bei Lieferung zahlt, im Jahr 2008.

Die Airbus Military Company - dahinter stehen die deutsch-französische EADS (80 Prozent Anteil) und die britische BAE Systems (20 Prozent) - hatte verlangt, Berlin solle, wie sonst bei Rüstungsgeschäften üblich, bei Vertragsschluss eine Anzahlung machen und danach jährliche Raten überweisen.

Die gesichtswahrende Konzession von Partnern und Industrie hat den Konflikt aber nicht etwa um sieben Jahre, sondern nur um ein paar Monate vertagt.