Der Schrecken der PaparazziSeite 3/4

Die Kammer hat die Übung, ähnlich gelagerte Fälle zu bündeln. Und heute ist, zum Bedauern von Matthias Prinz, der doch gegen Klischees anarbeiten will, gleichsam Caroline-Tag. Einmal spricht der Vorsitzende Richter gar traulich von "Caro".

Nicht alle neune drohen in die Justizgeschichte einzugehen. Zwei Fälle aber eignen sich in besonderer Weise, das erwähnte "Puzzle" zu vervollständigen.

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Im ersten geht es darum, das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 15.

Dezember 1999 mit Leben zu füllen - danach genießen sogar so genannte absolute Personen der Zeitgeschichte (also Hochprominente, die sich gegen das Fotografiertwerden kaum wehren können) unter bestimmten Umständen auch außerhalb ihrer vier Wände Schutz vor Paparazzi, etwa dann, wenn Kinder dabei sind.

Die Bunte hatte Caroline von Monaco samt Kindermädchen und Kind abgebildet, im Text auch insinuiert, dass es sich um die drei handle. Nach dem erwähnten Urteil ist das ja nun verboten. Die juristischen Helfer aber argumentierten, was das eigene Blatt geschrieben habe, sei auf dem Bild gar nicht zu besichtigen, nämlich, dass das Kind Carolines Tochter Alexandra sei. Also, dann doch erlaubt. Eine recht eigensinnige Darbietung von Pressefreiheit war da zu erleben.

Im anderen Fall hatte der Kölner Express Boris Becker bezichtigt, eine junge Frau geschwängert zu haben. Diese angeblich durch keine Recherche gestützte Darstellung empfindet Matthias Prinz als so krass unwahr, dass er ein hohes Schmerzensgeld ansteuert, was nach der bisherigen Rechtsprechung nur hartnäckigen Wiederholungstätern droht.

Beide Fälle haben ihr Gewicht. Für die Kammer sind sie doch Routine. Rund 1000 Pressesachen werden hier pro Jahr verhandelt. Und es ist zu spüren: Die Kontrahenten kennen einander, gehen geschäftsmäßig, freundlich miteinander um. Vermeiden Schärfen. Matthias Prinz hält sich aus den Niederungen der Scharmützel heraus, greift nur hin und wieder ein. Kurz, gelegentlich ein wenig spöttisch. Das Dozieren vor Gericht ist seine Sache nicht.

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