Dienstag, 20 Uhr. Draußen vor dem Fenster necken sich zwei Pferde. Es sind Füchse, rötlich schimmert das Fell in der Abendsonne. Drinnen, im Saal der Gaststätte Hufeisen im Berliner Stadtteil Lübars, wo die Hauptstadt allmählich in märkische Heide versandet, dort necken sich zwei rote Parteien.

Aber nur ein bisschen.

SPD meets PDS. Die Reinickendorfer Sozialdemokraten haben einen Demokratischen Sozialisten in ihre Mitte eingeladen. Als der Abend geplant wurde, vor zwei Monaten, da wollte man diskutieren, warum die Gräben zwischen beiden Parteien immer noch so tief sind. Inzwischen haben beide Parteien einen Bürgermeister gemeinsam gestürzt und gemeinsam einen neuen gewählt.

Jetzt sitzt er da unter Hirschgeweih und ausgestopftem Iltis, der Wolfgang Brauner, Mitglied des Abgeordnetenhauses, Lehrer aus Marzahn im Osten des Berliner Ostens, und erwartet die Kritik der SPD-Basis. Oder zumindest bohrende Fragen.

Doch es gibt keine Kritik. Auch keine bohrenden Fragen nach Mauer, Zwangsvereinigung, Verstaatlichung. Nur leise Zweifel. "Ja, der Gysi und die anderen Frontleute, das mögen anständige Genossen sein", sagt einer, "aber was ist mit der Basis? Ist das nicht noch der alte stalinistische Sumpf?"

Der Gast von der PDS braucht nicht zu antworten. Das übernimmt SPD-Genosse Kurt, wohl über 70, die Spitze der Krawatte steckt in der Anzughose. Er kennt die PDS-Basis, "und zwar vom Anglerverein her. Und von daher weiß ich: Das sind alles andere als kleine geklonte Erich Mielkes." Als der PDS-Mann wieder zu Wort kommt, sagt er: "Der politische Gegner im bevorstehenden Wahlkampf ist die CDU!" Beifälliges Klopfen. Irgendwann sagt eine Frau, sie habe in dieser Diskussion manchmal den Eindruck, "als wollten wir wieder eine Partei werden. Das wollen wir nicht, Genossinnen und Genossen!" Das musste wohl mal klar gesagt werden.

Petra Pau und ihr Reich