Warum gibt es eigentlich noch keinen Reader bundesrepublikanischer Appelle?

Welch ein merkwürdiges Ritual das ist: Man setzt einen empörten Text auf ("zynisch" und "menschenverachtend" locker einstreuen!) und bewegt möglichst Ralph Giordano - den Mann, der schneller faxt als sein Schatten - dazu, die Sache zu unterzeichnen. Sollte Giordano nicht erreichbar sein, muss Klaus Staeck aufgetrieben werden. Erst durch Beteiligung mindestens eines dieser beiden universal Empörbaren ist ein Appell überhaupt als solcher erkennbar.

Außerdem ziehen ihre Unterschriften automatisch weitere nach sich: Volker Schlöndorff, Roger Willemsen, Margarethe von Trotta, Peter Härtling, Jürgen Flimm, Jochen Gerz und so weiter. So ist es gerade wieder einmal geschehen, anlässlich von Friedrich-Christian Flicks Weigerung, in den Fonds zur Zwangsarbeiterentschädigung einzuzahlen. Dies war eine veritable Schweinerei.

Man sollte sie aber nicht dadurch verharmlosen, dass die üblichen Erstunterzeichner gegen sie protestieren.