Zum Thema selbst ist eigentlich alles gesagt. Und zwar von allen. Das Dosenpfand kommt wie das Amen in der Kirche. Seit zehn Jahren übrigens schon

damals trat die Verpackungsverordnung in Kraft und schrieb vor, dass jedes Getränk auf dem Markt eine Mehrwegquote zu erfüllen hätte. Die Brausehersteller schafften das. Die Mineralwasserfabrikanten auch. Nur die Bierbrauer nicht. Weil ein paar Großbrauereien ihre Marken flächendeckend unters Volk bringen wollten, eroberte sich die Dose jedes Regal zwischen Nordsee und Alpenrand. Fiete Hansen griff in Hamburg genauso zu wie der Untermoser Karl in Großdingharding. Und weil es an der frischen Luft gleich noch mal so gut schmeckt, landeten die Büchsen ex und hopp großenteils in der Landschaft.

Seit zehn Jahren, wie gesagt, wird landauf, landab gemahnt, diesem Treiben ein Ende zu setzen. Besonders Bayern wurde nicht müde, der Bundesregierung Beine zu machen. Sie solle "das Instrumentarium der Verpackungsverordnung endlich konsequent anwenden", forderte Edmund Stoiber zuletzt 1997 bei der Eröffnung der Messe drinctech-interbrau. Allerdings hieß die Bundesumweltministerin damals noch Angela Merkel. Viel konnte da nicht passieren.

Nun also Jürgen Trittin. Seine Novelle sieht vor, nicht nur die Dose in toto unter Pfand zu stellen. Trittin möchte gleich alle Einweg-Getränkeverpackungen erfassen und in ein Mehrwegsystem zwingen, die "ökologisch nicht vorteilhaft" sind. Dazu gehört laut Definition auch die Plastikflasche aus PET. Und damit beginnt der Teil drei im Endlosdrama um die Verpackungsverordnung.

Ursprünglich war dieses Paragrafenwerk dazu gedacht, Verpackungsmüll zu vermeiden. Doch Hersteller und Handel legten sich von Anfang an quer. Sie weigerten sich schlichtweg, Verpackungen zurückzunehmen. So entstand in Deutschland als fauler Kompromiss das Duale System mit dem Grünen Punkt. Mit geradezu böhmischem Aufwand wurde eine Logistik des Sammelns und Sortierens aufgebaut, die weltweit einmalig ist. Anfangs gab es Skandale, mehrmals stand die Sache vor dem Scheitern.

Nur mit Mühe gelang dem Dualen System im Laufe der Jahre der Nachweis, dass es technisch möglich ist, Plastikabfälle zu recyceln. Kaum aber steht die Technik, kommt der Bundesumweltminister daher und entzieht dem gelben Sack das einzige Produkt, das den Aufwand halbwegs lohnt: die PET-Flasche. Trittin zielt auf die Dose und streift ein viel größeres Ziel: den Mantel der Geschichte. Sollte neben Einwegglas und Mehrwegglas, gelbem Sack und Altpapier, Bio- und Restmüll nun ein weiteres Vertriebssystem für unsere zivilisatorischen Hinterlassenschaften aufgebaut werden, wäre das ein Schritt Richtung Unsterblichkeit. Die Pharaonen hinterließen Pyramiden. Die Römer Amphoren und Scherben. Was wird bleiben von uns? Der Rückgabeautomat.