Nun droht die Stagflation. Ein hässliches Wort für ein hässliches Phänomen: Die Preise klettern, die Volkswirtschaft stagniert. Dieses Duo infernale frisst Kaufkraft, Vermögen, Jobs auf - kurz: die Wohlfahrt der Menschen.

Noch ist die Sache offen. Erst wenn die Konjunktur weiter absackt und die Inflation weiter steigt, könnte das schaurige Drama seinen Lauf nehmen. Doch langsam wird's teuer. In Deutschland wie in Euroland steigen die Preise jährlich um mehr als drei Prozent. Und Familien fragen sich: Was heißt hier eigentlich "drei Prozent"? Sie müssen immer mehr für Energie und Nahrung aufwenden, und deren Preise - die Rechnung fürs Alltägliche - sind gar doppelt so schnell geklettert. Sie tilgen alle Steuer- und Kindergeldgeschenke. Steigende Kosten drücken auch viele Firmen

die Inflation beginnt sich selbst zu speisen.

Die Prognostiker stochern zwar im Nebel ihrer Gleichungen, aber sie sehen doch eine zweite Fratze: Das Wachstum lässt nach. Im Herbst soll es wieder zunehmen, sofern den USA das Comeback gelingt. Und die Inflation soll verschwinden, weil Öl nicht noch teurer und der Euro nicht noch billiger werden kann. Nur: All das haben wir zu Jahresanfang auch schon gehört. Und der Kanzler gerät in die Bredouille. Schröder muss fürchten: Dies ist nicht mehr mein Aufschwung, sondern vielleicht schon mein Abschwung.

Mut - die knappe Ressource

Das Schlimmste ist nicht einmal, dass die überwunden geglaubten Gesetze der Ökonomie jetzt doch wieder greifen. Wir erleben nicht das Ende von Konjunkturzyklen und Inflation

trotz EU und Euro sind die Europäer gegen Unbill aus Amerika nicht gefeit. Das wirkliche Ärgernis ist vielmehr, dass die Deutschen nicht die Courage aufbrachten, sich den weltweiten Aufschwung früh genug ins Land zu holen. Sonst ginge es jetzt nicht mit vier Millionen Arbeitslosen in schweres Wetter, und die inländische Nachfrage wäre stark genug, den Aufschwung weiter zu tragen.