Japans Aktienmarkt scheint im Moment weniger auf wirtschaftliche Daten als auf politische Zeichen zu reagieren. Stand der Nikkei-225-Index im März noch bei einem historischen Tief von 11 800 Punkten, so schnellte er nach der Wahl des neuen Premierministers Junichiro Koizumi, wenn auch kurzfristig, auf über 14 000 Punkte. Zur Erinnerung: Vor dem Platzen der Spekulationsblase 1989/90 hatte der Nikkei fast 30 000 Punkte erreicht. Ob sich die Hoffnungen der Börsianer auf die Reformfähigkeit des neuen Regierungschefs nun erfüllen und zu einem Aufwärtstrend führen, ist fraglich. Sollten Investoren daher lieber abwarten und sich zunächst vom japanischen Markt fernhalten?

"Japan ist zwar in den Portfolios internationaler Investoren derzeit unterrepräsentiert", sagt Frank Klumpp, Aktienanalyst bei der Landesbank Baden-Württemberg. Gleichwohl rät er Kleinanlegern vorerst zur Zurückhaltung.

Kohei Iwahara, Analyst der Commerzbank in Tokyo, stimmt ihm zu: "Als ausländischer Investor wäre ich sehr vorsichtig, mein Geld in japanischen Aktien anzulegen." Und Jesper Koll, Chefvolkswirt der Investment Bank Merill Lynch, meint: "Wenn jemand kein Fachmann ist, dann ist es schon gefährlich, in japanischen Binnenbetrieben zu investieren."

Dennoch sei der japanische Markt nicht ohne Reiz, versichern die Analysten.

Potenzielle Anleger sollten zunächst die Währungsentwicklung des Yen und die politischen Ereignisse nach den Oberhauswahlen beobachten, so ihr Rat. Komme es zu wirklichen Reformen, könne dies den Aktienmarkt mitreißen. Auch solle man nicht vergessen, dass der Nikkei-Index seit seiner Umstellung vor einem Jahr überdurchschnittlich viele Technologie-Werte enthalte und dadurch von deren Abwärtstrend überproportional stark belastet werde. In der alten Zusammensetzung läge der Index heute 3000 bis 3500 Punkte höher.

Vor allem die großen und bekannten Namen gelten als sichere Anlagen, da sind sich die Analysten einig. "Die großen Top-50-Firmen entwickeln sich von Japans wirtschaftlicher Lage weitgehend unabhängig", sagt Volkswirt Koll.

Auch Kohei Iwahara nennt die großen Automarken Toyota und Honda oder den Konsumelektronikriesen Sony. Aktienanalyst Klumpp hat zudem den Maschinenbauer SMC ausgemacht und verweist auf dessen starke Weltmarktposition.