Die Türkei ist in Ihrer Zeitung auf einer Landkarte und in einer Grafik als "inoffizieller" Kandidat bezeichnet und von den anderen Kandidaten gesondert gezeigt worden. Dies entspricht nicht der Wirklichkeit.

Die Türkei ist seit dem auf dem EU-Gipfel von Helsinki im Dezember 1999 gefassten Beschluss offizieller Beitrittskandidat. Mit der Verabschiedung der Beitrittspartnerschaft durch den Ministerrat und des Nationalen Programms durch die türkische Regierung wurde ein wichtiger Schritt in diese Richtung unternommen.

Hakan Okçal, Gesandter Botschaft der Republik Türkei, Berlin

Die EU genießt bei ihren Bürgern nicht das Vertrauen, das ihr zusteht und das sie braucht, um neue Projekte - insbesondere die Osterweiterung - durchzuführen. Warum ist das so? Die Treffen der Regierungschefs in Maastricht, Amsterdam und Nizza, die eigentlich die Struktur der EU stärken sollten, haben bei der Bevölkerung eher Verwirrung ausgelöst. Schmidt behauptet ja sogar, dass sich Teile dieser Reformpläne in ihrem Wirkungsgrad überschneiden. Wie soll ein Bürger da Vertrauen aufbauen?

Mitgliedsstaaten wie Beitrittskandidaten kämpfen momentan gegen die gleichen Probleme, wie die Flaute der Konjunktur, Arbeitslosigkeit und die Anpassung des Sozialwesens an die Überalterung der Gesellschaft. Eine stärkere EU, etwa wie Schröder sie im letzten Monat gefordert hat, wäre in der Lage, effizienter und flexibler zu reagieren. Eine Verschmelzung von gemeinsamen, nationalen Interessen zu einem nationalen europäischen Interesse wäre nicht gleichbedeutend mit einer Verschmelzung von kulturellen und nationaltypischen Ideen - wie einige renommierte Kritiker verlauten lassen -, trüge jedoch zu einer energischeren Verfolgung der gemeinsamen Ziele bei.

Björn Hofmann, 18 Jahre Netphen

Auch die Agrarpolitik muss reformiert werden, da für die Subventionen mehr als zwei Drittel der EU-Einnahmen zur Verfügung gestellt werden. Diese gegen die Prinzipien des freien Wettbewerbes orientierte Politik ist bei einer Erweiterung der EU erst recht nicht mehr zu finanzieren. Die dann zur Verfügung stehenden Gelder könnten größeren Nutzen im Bereich von Bildung und Forschung haben oder zur Bekämpfung der strukturellen Arbeitslosigkeit eingesetzt werden.