Zeitlese

Einen neuen Literaturkanon für Schüler und Lehrer errichtet Marcel Reich-Ranicki im jüngsten Spiegel-Gespräch. Darin sagt er: "Die von den Ministerien der einzelnen Bundesländer verfassten Rahmenrichtlinien und Lehrpläne für den Deutschunterricht an den Gymnasien haben einen generellen Fehler: Sie sind zu reichhaltig. Es handelt sich um lange, allzu lange Listen. Bisweilen hat man sogar den Eindruck, dass irgendjemand die Namen nacheinander aus einer Literaturgeschichte abgeschrieben hat. Im Lehrplan für die gymnasiale Oberstufe in der Freien und Hansestadt Hamburg finden sich - doch etwas überraschend - die Autorinnen Karin Struck und Elisabeth Plessen.

Auf einer in Rheinland-Pfalz gültigen Lektüreliste sehen wir nicht ohne Verwunderung die Autoren Innerhofer und Woelk, Peter Schneider, Leonie Ossowski und auch die liebe Elke Heidenreich." Apropos Liebe bemerkt der "wortgewaltige Kopf des Literarischen Quartetts" (Spiegel): "Ich widme der Liebe in der Literatur viel Platz. Die Liebe ist das zentrale Thema der deutschen Literatur - von Walther von der Vogelweide bis zu Ingeborg Bachmann und Sarah Kirsch. Zu den größten Erotikern der europäischen Literatur gehören zwei deutsche Autoren: Goethe und Heine. Gut beraten ist der Lehrer, der immer wieder auf Erotisches eingeht." Gut beraten.