Weiß, blau, rot. Ja, sie sehen tatsächlich so aus, als wären sie in den Alpen gewachsen. Genau wie die drei Klassiker: Edelweiß, Enzian und Almrausch. Du hast Recht - und liegst völlig falsch!

Die Trockenblumen habe ich dir aus Afrika mitgebracht, genauer gesagt aus Harare, Simbabwe. Ich habe sie auf dem Heldenfriedhof aus einem verwelkten Gebinde gerupft. Robert Mugabe, der Präsident, hatte das Bukett unter dem Mahnmal niedergelegt, das den Kämpfern gewidmet ist, die das Land einst vom weißen Kolonialterror befreiten. Aus Rhodesien wurde Simbabwe, anno 1980, nach der Unabhängigkeit.

Gut 20 Jahre später gibt es wenig zu feiern. Die Wirtschaft ist bankrott.

Eine korrupte Elite hat den Staat beinahe ruiniert, es regieren Chaos und Anarchie. Und die Tourismus- industrie, die große Hoffnung auf Einkommen und Arbeitsplätze, liegt am Boden.

Wer wollte ein solches Land derzeit besuchen? Die Hotelbetten und Tierreservate, Safaribars und Souvenirmärkte leer. Und oben, im Nordosten, donnern die Victoriafälle in majestätischer Einsamkeit vor sich hin. Direkt gegenüber in Sambia, kaum fünf Gehminuten vom Naturspektakel entfernt, eröffnet der neue Prunkbau des Hotelkönigs aus Südafrika für Naturtouristen aus dem reichen Norden.

In Simbabwe wollen die meisten den Helden der Revolution nicht mehr zujubeln.

Ganz allein mit seinen Leibwächtern und dem Jubiläumsstrauß stand Genosse Mugabe auf dem Heroe's Acre. Vor ihm ein Monument, so martialisch, als hätte es die stalinistische Hofkünstlerin Vera Muchina aus Stahl und Beton gehauen - der unbekannte Befreiungskrieger. Dahinter zackt ein Obelisk mit pharaonischer Wucht in den Himmel. In seinem Schatten die Gräber der Gefallenen, der Mitstreiter und Vordenker, die sich angesichts der heutigen Verhältnisse vermutlich im Grabe umdrehen.