Das Paradies ist nirgendwo. Um den Sturz auf den Beton dieser Erkenntnis zu inszenieren, setzt das Theater Oberhausen hoch an und lässt tief steigen: Im Hochbunker der Kokerei Zollverein zu Essen schrauben sich Orte der Sehnsucht historisch hinab vom Südseekommerz (Hula-Girls) zur Suche nach dem sagenhaften sechsten Kontinent (Cooks zweiter Weltumsegelung), begrifflich hinauf von der Utopielosigkeit heute zu Aufklärungsunschuld und Weltentdeckungsfieber einst. Die Inszenierung ist Georg Forster (1754 bis 1794) gewidmet, dem Literaten und deutschen Jakobiner, Cooks Reisebegleiter, aber mitgemeint ist das Industriezeitalter, das im Weltbeherrschungswunsch und den Glücksversprechen des 18. Jahrhunderts wurzelt. In die 30 Meter tiefen Schächte, in denen einst Kohle gemischt wurde, sind Treppen gezogen.

Räume öffnen sich, darin der Regisseur Klaus Weise und die Ausstatter Manfred Blößer und Fred Fenner dem wandernden Publikum Theaterinstallationen noch schwebender, schon abgestürzter Visionen der Freiheit bieten: das Boudoir der entfesselten Lüste (De Sade), das Kabinett der geometrisierten Welt (La Mettrie), das Schaukeln am langen Seil über dem Abgrund (Genesis). Aber auch den Medusenkopf auf dem Grund eines Schachttrichters, das Huschen der Ratten unter den Füßen, das von oben stürzende Eis. Es sind Denkbilder, die sich in Betonschluchten festklammern, Texte literarischer Hochkultur (Dantons Tod, Werther, Göttliche Komödie), die im Flirren einer Videowelt und den klirrenden Musikfrösten aus F. M. Einheits Soundcomputer versinken. Es ist nachgereichte Aufklärungskritik, inszenierte Industriekritik ist es nicht.

Der Ort selbst bleibt Kulisse, unbegriffen, unerlöst.