Sie wissen nicht, wer sich auf der Konferenz von Bandung traf? Und Sie können auch keine fünf Rebsorten aufzählen? Tja, dann sollten Sie das mit der Diplomatenkarriere ganz schnell vergessen. Und wenn Sie keine Ahnung haben, woraus ein Blitzableiter besteht und welche Spannung an einer Steckdose liegt - dann denken Sie nicht einmal daran, Lufthansa-Pilot zu werden.

Nicht nur im Fernsehen ist Wissen gefragt. Viele Traumjobs in Deutschland sind nur mit guter Allgemeinbildung zu erreichen. Und die wird zunehmend geprüft. "Testen ist wieder richtig in", sagt Jürgen Hesse vom Büro für Berufsstrategie in Berlin. "Früher war es verpönt, punktuelles Wissen abzufragen. Aber seit Jauchs Millionärsquiz ist es plötzlich en vogue", sagt der Diplompsychologe, der deshalb gerade an einem neuen "Testknacker"-Buch arbeitet. Der Grund für die Quizshow bei der Bewerberauswahl liegt für Hesse auf der Hand: "Das Abfragen von Wissen hat etwas Spielerisches, das begeistert jeden Ausbildungsleiter."

Weniger begeistert sind die Bewerber, die sich oft wochenlang auf die Fragen vorbereiten müssen und die sich in stundenlangen Testreihen psychisch unter Druck gesetzt fühlen. Eine Diplomkauffrau, die bei einer Mineralölfirma als Nachwuchskraft getestet wurde, klagt über den "enormen Zeitdruck", unter dem die intellektuellen Fähigkeiten überprüft worden seien. Ein Betriebswirt spricht gar von einem "modernen Spießrutenlauf".

"Das Niveau ist gesunken"

Der lässt sich kaum umgehen, denn getestet wird mittlerweile überall und von fast jedem - von Banken und Versicherungen ebenso wie von Wirtschaftsunternehmen, Journalistenschulen und privaten Universitäten.

Besonders gern bitten Behörden ihre Beamtenanwärter zum Test. Bis zu 10 000 Bewerber durchlaufen allein die Verfahren, die die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGP) jährlich für Behörden durchführt: bei der Stadt Hannover, bei der Bundesbank, beim Kieler Innenministerium. "Tests haben eine höhere Validität als Schulnoten, die doch oft subjektiv vergeben werden", sagt Michael Thielepape, Diplompsychologe und seit 31 Jahren bei der DGP verantwortlich für die Testentwicklung. Das erklärt für ihn auch den "deutlichen Leistungsabfall", der sich dann bei schriftlichen Tests einstellt.

In den standardisierten Tests der DGP sind Wissensfragen ein fester Bestandteil: Was ist ein Schatzbrief? Aus welchen Mitgliedern besteht der Deutsche Bundesrat? Ein gutes Ergebnis werten die Tester "als Motivation, sich persönlich für diese Dinge zu interessieren". Doch den Bewerbern fehlen meist grundlegende Kenntnisse aus Politik und Gesellschaft, sie seien häufig nicht konzentrationsfähig, insgesamt sei "das Niveau gesunken", so Thielepape. Aus diesem Grund würden sich viele Arbeitgeber nicht mehr allein auf Schulnoten verlassen, sondern sich lieber durch Tests von den Fähigkeiten ihrer zukünftigen Mitarbeiter überzeugen.