Es ist, als hätten die Wände Ohren. Denn alles im Haus gehorcht aufs Wort oder auf einen Fingerzeig. Die Jalousien zum Beispiel. Jetzt, wo sich die Sonne hinter den Bäumen verkrochen hat, surren sie alle auf einmal leise herab. Auf Knopfdruck, alle synchron. Dann ergeht drinnen das digitale Kommando an alle Lampen, die prompt ihre Helligkeit auf Kerzenlichtstärke herunterdimmen. Selbst der automatische Solarrasenmäher läuft nach seiner akkuraten Rasenkantenfahrt wieder in den Heimathafen Garage ein.

So oder so ähnlich sind die Visionen derer, die heute daran arbeiten, Häuser zu vernetzen - und dabei auf einen zukunftsträchtigen Markt hoffen: Elektrische Hausangestellte verrichten ihre Dienste vom Keller bis zum Kinderzimmer. Der Kühlschrank bestellt neue Butter, wenn der Vorrat schwindet, die Waschmaschine kann den Wartungsdienst selbst anfordern, und über den Fernseher geht die Familie im Internet einkaufen. Gesteuert wird das Ganze über eine zentrale Fernbedienungskonsole im Haus, über den Personalcomputer oder über ein Mobiltelefon.

Noch existieren solche vollautomatisierten Häuser in Europa erst als Prototypen. Eines der Vorzeigeprojekte ist das Futurlife-Doppelhaus in Hünenberg im Schweizer Kanton Zug

ein Projekt der Beisheim Holding, die im vergangenen Jahr stattliche vier Millionen Mark in diese Zukunft investierte.

Ein weiteres vernetztes Privathaus - das Cisco Internet Home - entstand in London als Gemeinschaftsprojekt des amerikanischen Netzgeräteherstellers Cisco mit 22 Partnerunternehmen. In Stockholm gingen Mitte 2000 sechs Villen unter der Regie des Hausgeräteherstellers Electrolux ans Netz, in Italien läuft dieser Tage ein Pilotversuch mit Zanussi-Küchengeräten an.

Auch Deutschland hat das "intelligente Haus" entdeckt. Vier Wände in Duisburg lernen seit Anfang April denken - unter Aufsicht des Fraunhofer-Institutes für Mikroelektronische Schaltungen und Systeme (IMS). Die InHaus-Anlage ist aber vorerst nur als Innovationszentrum mit Forschungs- und Entwicklungswerkstatt konzipiert, in der verschiedene Institutionen und Unternehmen gemeinsam die Gerätevernetzung erforschen. Erst später werden auch seine Bewohner die Haustechnologie von der Alarmanlage bis zur Autoelektronik erproben.

Bereits im Jahre 2005 sollen europaweit 20 Prozent aller Haushalte ein Netzwerk haben, schätzt das Marktforschungsinstitut Datamonitor. Auch einige Hersteller sagen der Entwicklung der Home-Automation rasante Steigerungsraten voraus. Der Grund: die enge Kopplung mit E-Commerce. Schon in diesem Jahr sollen nach Einschätzung der Marktforscher in Deutschland zwischen 10 bis 26 Milliarden Mark auf elektronischem Wege umgesetzt werden. Bis 2010 sollen es 50 bis 100 Milliarden Mark sein. Da liegt es nahe, den Einkaufszettel bald nicht mehr in den Computer einzugeben, sondern via Kühlschrank nachzuordern - so jedenfalls das Kalkül von Marketingexperten.