Adrienne Goehler, kaum dass ihr Name für die Neubesetzung des Berliner Kultursenats ins Gespräch kam, wurde gefeiert, als sei sie die leibhaftig gewordene Lara Croft. Selten ist eine Kandidatin in der Politik so ausschließlich für ihre revolverheldenhaften Qualitäten angepriesen worden wie die Präsidentin der Hamburger Kunsthochschule. Das mag mit ihrer Person zu tun haben, wer weiß

bezeichnender aber ist es für die sadomasochistischen Befreiungsfantasien, die in der Hauptstadt umgehen. Und tatsächlich ähnelt die Berliner Kulturlandschaft mit ihren Gruselzwergen und Schleimmonstern an ein albtraumhaftes Videospiel, das nur gewinnen kann, wer die Laserpistole schneller zieht als - sagen wir zum Beispiel - die furchterregenden Foltermeister im Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses.

Hier ist noch jeder Kultursenator gescheitert, ob er Peter Radunski, Christa Thoben oder Christoph Stölzl hieß, ob er sparen wollte oder nicht sparen wollte, ob er Bühnen zur Schließung oder zur Förderung vorschlug. Die Abgeordneten forderten erst Konzepte und erklärten dann jede Umsetzung für unmöglich. Alles sollte anders, aber nichts angetastet werden. Es war ein diabolisches Spiel, das nach demokratischen Regeln nicht gewonnen werden konnte und nicht gewonnen werden sollte

und zwar unabhängig von der Person, die den Part des Kultursenators zu übernehmen versuchte. Vor dem Berliner Parlament wird jeder Kulturpolitiker zum anonymen User

er bekommt zwar, anders als in der Computerwelt, fürs Herunterladen des teuflischen Spiels ein Gehalt, aber dafür steht seine Niederlage fest. Die Rolle einer Lara Croft, auf die manche jetzt hoffen, ist in Wahrheit nicht programmiert

und selbst Gregor Gysi, den andere gerne als Super-Mario im Spiel gehabt hätten, wird nicht als Kultursenator siegen, sondern im besten Fall als lädierter Klempnermeister wieder aussteigen. Es sei denn ...

Es sei denn, der große Programmierer will es anders. Denn das ist die bittere Pointe der Berliner Politik, dass der Erfinder des Teufelsspuks, der bisherige Meisterverhinderer aller Initiativen, der sozialdemokratische Fraktionschef Klaus Wowereit, nun Regierender Bürgermeister (mindestens bis zur vorgezogenen Wahl) ist. Verzweifelt haben sich in den letzten Monaten manche gefragt, wer denn Nutzen ziehe aus dem Horrorspiel der kulturpolitischen Totalblockade. Jetzt wissen sie's. Es ist Wowereit, den die Obstruktion zum Sieg geführt hat. Anmutig verbeugt sich der Folterer vor seinen Opfern