Musentempel in XXL Wie verwandelt man ein fürs Business zu klein gewordenen Messezentrum aus der Barockzeit in eine Palastanlage für moderne Kunst? Zehn Jahre lang haben die Wiener das Problem gewälzt, Projekte entwickelt, zu Tode diskutiert und in immer neuen Varianten wiederbelebt.

Mehr als zwei Jahre lang haben die Architekten Laurids und Manfred Ortner und Manfred Wehdorn von 1998 an gebaut und revitalisiert. Drei Tage lang wird demnächst gefeiert, die offizielle Eröffnung des neuen MuseumsQuartiers (MQ) dauert vom 28. bis zum 30. Juni. Das Festprogramm ist so schillernd wie die kreative Szene, die ins MQ einzieht. Mehr als 20 musische Organisationen und Künstlergruppen - Audiovideokünstler und Archivare, DJs und Denker, Forscher und Performer - sorgen bei der Einweihung ihrer neuen Spielplätze dafür, dass den Besuchern täglich zwischen zehn Uhr vormittags und Mitternacht Hören und Sehen nicht vergehen: mit Tanztheater, Dichterlesungen und Modeschauen, mit Kulturpicknicks, Kabarett oder Kindertheater. Die Megaparty steigt auf einem Gelände der Superlative, 60 000 Quadratmeter Nutzfläche stellt das MQ für Museen, Ateliers, Forschungslabors, Bühnen und Büros zur Verfügung. Damit reiht es sich unter die zehn größten Kulturbezirke der Welt. Einzigartig: die Verbindung der barocken Architektur Johann Fischer von Erlachs mit drei Museumsneubauten. Ebenfalls einmalig: der künstlerische Standpunkt zwischen Geschichte und Zukunft. Ganz typisch schließlich für Wien: Gefeiert wird, obwohl von den drei Hauptmotoren der Kulturmaschine fürs dritte Jahrtausend erst die Kunsthalle fertig gestellt ist. Das Leopold Museum mit den Meisterwerken von Schiele, Klimt und Kokoschka und das Mumok genannte Museum Moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien, eine der größten Sammlungen moderner und zeitgenössischer Kunst Europas, werden erst im September eröffnet.

MuseumsQuartier, Museumsplatz 1/5, A-1070 Wien, 28. bis 30. Juni, Auskunft: Tel. 0043-1/523 58 81, Internet: www.mqw.at