Einen Irrtum gibt Milton Friedman schon vor Beginn des Interviews zu.

"Die Vermutung, dass mein Umzug von Chicago nach San Francisco zu weniger Arbeit führen würde, war falsch", sagt der 89-jährige Nobelpreisträger. Er arbeite immer noch viel und konzentriert. Tatsächlich, nicht einmal der atemberaubende Blick auf die Golden Gate Bridge aus seinem exklusiven Apartment im 19. Stock eines Wolkenkratzers lenkt ihn ab - ungerührt setzt er sich mit dem Rücken zum Fenster und stellt dann selbst die erste Frage: Ob das Leben unter Washingtoner Bürokraten nicht merkwürdig sei?

Milton Friedman ist neben John Maynard Keynes der wohl bekannteste Ökonom des 20. Jahrhunderts. Im Gegensatz zum Schöpfer des Keynesianismus ist er ein ungebrochener Kämpfer gegen Regierung und Staat. Einer, der regulierende Eingriffe in den Markt per se für schädlich hält. Aus dem freien Spiel von Angebot und Nachfrage ergebe sich fast automatisch die bestmögliche Versorgung der Menschen mit Arbeit, Geld und Gütern. Politiker sollen sich daher seiner Meinung nach darauf beschränken, Gerichte, Polizei und Militär zu unterhalten und "den Bürgern ihr Geld zurückgeben" - wie es derzeit die Bush-Regierung tue. Deren Steuersenkung, so setzt Friedman gleich hinzu, sei jedoch lächerlich gering.

Während seiner Jahre als Professor an der Universität von Chicago galt der Ökonom als exzellenter Lehrer. Gleichzeitig wurde er zum Schöpfer des Monetarismus - einer Theorie, die die Steuerung der Konjunktur durch aktive Geldpolitik der Notenbank ablehnt. 1976 brachte ihm das den Nobelpreis ein.

Schon vor dreißig Jahren plädierte er zudem für flexible Wechselkurse. Viele Länder mussten den Sinn dieser Idee in den vergangenen Jahre während der Asienkrise erkennen. Bei seinen Schülern genoss Friedman Kultstatus und wurde zum geistigen Vater der Chicago-Boys. Diese Gruppe neoliberaler Wissenschaftler trug seine Lehren um die Welt. Sie berieten Ronald Reagan, Margaret Thatcher und Augusto Pinochet bei deren Wirtschaftspolitik - und sorgten so auch dafür, dass Friedman als geistiger Pate des herzlosen Kapitalismus heftig in die öffentliche Kritik geriet. Den aber focht das wenig an - im Gegenteil: Durch den Zusammenbruch des Sozialismus sieht sich Friedman inzwischen nachhaltig bestätigt. Noch heute mischt er sich daher in die Politik ein, mit einer eigenen Stiftung kämpft er derzeit für die Privatisierung von Schulen. Seine Lehren möchte er auch künftig in die Welt getragen sehen. Er verabschiedet sich mit den Worten: "Helfen Sie in Deutschland beim Kampf gegen die Bürokratie."