Meine Frau Marlene ist eine Vielträumerin. Im Gegensatz zu ihr bin ich ein Wenigträumer. Sie liebt es, von ihren Träumen zu berichten

sie soll es gerne tun, und ich höre ihr auch zu. Nur, ich bin anders, ich bin ein geerdeter Typ, ich lass die Füße gerne am Boden.

Ich kenne allerdings Situationen bei extremer Belastung, wo sich Träume in der Nacht gemeldet haben, als wollten sie eingreifen, als wollten sie eine Plattform für Lösungen bieten. Das bedeutet: Wenn es ganz arg wird, versetzt sich in der Nacht ein Traum hinein in das Problem, das mich beschäftigt. Aber das geschieht äußerst selten. Ich bevorzuge es, alle mich belastenden Situationen über Tag zu klären. Auch in Diskussionen, die ich nur mit mir selber führe.

Ich halte viel von Logik, von Rationalität. Auf die Fliegerei habe ich mich verlegt, nicht um mir einen Traum zu erfüllen. Ich bin ein Leben lang gerne geflogen, ich wusste einfach, wie es geht. Auch das Operationelle, das ganze Handling. Ich war entscheidungsfähig, brauchte keine Oberpiloten, etwa bei der Gründung der Lauda Air. Bis heute habe ich rund 13 000 Flugstunden hinter mir. Mich hat begeistert, die Maschine - wie früher den Rennwagen - zu beherrschen, sie perfekt von A nach B zu fliegen, auf meinem eigenen Perfektionslevel. Und der reicht weit.

Pünktlichkeit gehört dazu, natürlich. Ich selber bin nie unpünktlich. Ich mag Disziplin, ich sehe auch, ob jemand Manieren hat oder nicht. Zu dem wenigen, was ich aus meinem Elternhaus mitgenommen habe, gehört ein passables Benehmen bei Tisch. Wer sich nicht benehmen kann, wer einfach nur dasitzt und frisst, der muss halt trainieren. Auch meine Söhne mussten das. Mich hat es geärgert, wie sie mit den Fäusten die Gabel hielten. Das ist vorbei. Jetzt haben sie einen Vorteil. Denn andere können es nicht.

Während der 13 Stunden von Kuala Lumpur nach Wien im Cockpit einen Flug hinzulegen, bei dem für 344 Passagiere nicht eine Sekunde lang Anlass zur Kritik besteht, das hat mich fasziniert. 15 Jahre lang war das mein Job - neben dem des Vorstandsvorsitzenden bei Lauda Air. Und jetzt?

Vor ein paar Tagen fahre ich über die Autobahn in Richtung London. Über mir ein Jumbo der Quantas im Landeanflug. Früher habe ich immer genau zugeschaut, wie diese großen Dinger runterkommen. Aber jetzt: ein ganz neutraler Moment, keine positiven Emotionen mehr. Ich war schon sehr überrascht von mir. Aber so war das immer in meinem Leben, auch damals bei meinem Rücktritt als Formel-1-Rennfahrer. Was über Jahre eine Faszination ausübte, verlor ganz plötzlich seine Anziehungskraft.