Er galt als einzig wahrer Anchorman des österreichischen Fernsehens.

Seine Interviewpfeile pflegte er zwar durch höfliche Verpackung zu tarnen - getroffen hat er trotzdem immer. Vergangene Woche starb Robert Hochner, Moderator der auch via 3sat ausgestrahlten ORF-Nachrichtensendung Zeit im Bild 2, an Krebs. Ihn und vor allem seine harten, aber fairen Interviews vermisste ein großer Teil der österreichischen Fernsehkonsumenten gerade in Zeiten der politischen Wende. Seine Fragen blieben oft die entscheidende Nuance von der Unverschämtheit entfernt. Den Sänger Herbert Grönemeyer fragte er vor einem Konzert, ob er am Abend genauso zu nuscheln gedenke wie auf seiner neuen CD. Den von einer Chinareise zurückgekehrten damaligen Bundeskanzler Franz Vranitzky begrüßte Hochner mit der Frage, ob es denn der österreichischen Wirtschaft so schlecht gehe, dass er dem chinesischen Präsidenten Li Peng habe die Hand schütteln müssen. Wortreich ausweichende Politiker pflegte Hochner mit seinem Lieblingssatz "Sie haben meine Frage nicht beantwortet" aus dem vorbereiteten Konzept zu bringen. Und doch betonte er bei jeder Gelegenheit, eigentlich nur den Job des Journalisten pflichtgetreu zu erfüllen. Für sein letztes Interview, gegeben sechs Wochen vor seinem Tod, wählte Hochner angesichts der österreichischen Mediensituation die kleine Wiener Stadtzeitung Falter, wo er gegen die politischen Zugriffe auf den ORF kämpft. Zum letzten Mal.

Wenige Tage nachdem der amerikanischen Filmfirma Columbia Pictures nachgewiesen worden war, zwei ihrer Filme mit Lobeshymnen eines nichtexistenten Filmkritikers namens David Manning beworben zu haben, deckte nun das Branchenblatt Daily Variety die nächste Freizügigkeit im Umgang mit der Wahrheit auf. In Fernsehspots ließ man "Durchschnittsmenschen von der Straße" die derzeit laufende Riesenproduktion Patriot loben. Allein, zwei der Fans waren Angestellte von Columbia. Man hätte für die Testimonials eben noch ein junges Pärchen benötigt und der Einfachheit halber im eigenen Büroumfeld gefragt, verteidigte sich der für den Spot Verantwortliche. Die Methode scheint Methode zu haben. Bereits 1991, gab nun der damalige Vertriebschef von 20th Century Fox zu, hätten er und eine Kollegin als Ziegenhirten verkleidet von dem Film Hot Shots geschwärmt.

Wer zu spät redigiert, den bestraft die Druckerpresse. Und wer (Tages-)Zeitungen nur in der Online-Ausgabe liest, verpasst manchmal die besten Sätze. In einem Artikel über die Sonntagspläne einiger deutscher Verlage stand vergangenen Freitag im Tagesspiegel über die Welt am Sonntag: "Einst lästerten Kollegen, die WamS sei die einzige Trinkerheilanstalt, die es sich leiste, wöchentlich eine Zeitung herauszugeben." Irgendwo zwischen Druckerpresse und Internet-Bearbeitung dürfte dann doch noch jemand den Artikel gegengelesen und das launige Branchen-Bonmot als etwas zu deftig klassifiziert haben. In der Online-Ausgabe war's dann jedenfalls weg. Auch so kann man den Lesern abgewöhnen, via Internet-Lektüre 1,40 Mark sparen zu wollen.

Sigrid Neudecker (offline@zeit.de)