Er wohnt nicht in den Hills, sondern in Venice Beach, jenem Teil von Los Angeles, den die meisten Menschen aus dem Fernsehen kennen: als das Dorado der Freaks, der Durchgeknallten und Junkies. Dort, meilenweit entfernt vom Reichtum der wohl bewachten Privatstraßen Hollywoods, fühlt Dennis Hopper sich wohl. Der Architekt Frank Gehry baute ihm ein Haus: ein stählernes Ding, das aussieht wie ein startbereites Raumschiff. Angemessen für jemanden, der seit beinahe 50 Jahren in seiner eigenen Umlaufbahn unterwegs ist.

Er hätte hoch hinauskommen und sein Stern hätte leuchten können. Hopper hatte, gerade 18jährig, mit seinem Freund James Dean ... denn sie wissen nicht, was sie tun und Giganten gedreht. Doch dann starb sein Freund, und Hopper beschloss, schwierig zu werden. Ein Adjektiv, das noch heute in Personalleiterkreisen einem Todesurteil gleichkommt. Schon damals genügte es, um Hopper auf eine schwarze Liste zu bringen und ihn jahrelang ohne Engagement versauern zu lassen. Das führte dazu, dass Hopper noch schwieriger wurde, bis er seinen eigenen Film machte: Easy Rider. Ein Meilenstein für eine ganze Generation. Danach versank er für zehn, fünfzehn Jahre in Whiskey und Koks - so genau weiß das niemand mehr. Er wurde zum rebel without applause (Entertainment Weekly) und tauchte erst in David Lynchs Blue Velvet mit einer Sauerstoffmaske wieder nüchtern auf. Doch von einer Sache hat er nie lassen können, die ihn vielleicht noch mehr faszinierte als der Rausch: Kunst.

Schon vor 40 Jahren hatte er seine erste Ausstellung. Hopper fotografierte, malte, assemblierte - und sammelte die Werke seiner Freunde und Zeitgenossen: Andy Warhol, Jasper Johns, Kienholz, Rauschenberg, Lichtenstein. Seine Sammlung, durch Brände und Scheidungen dezimiert, wäre heute 40 Millionen Dollar wert, erzählt er Journalisten, die ihn zu Hause besuchen. Und schiebt gleich hinterher, wie schwierig es sei, mit einem Jahreseinkommen von nur 2 Millionen über die Runde zu kommen. Nach den Maßstäben Hollywoods bin ich arm, sagt er, der nie reich sein wollte, der sich der Welt des Happy-End-Zwangs verweigerte.

Dafür wird er geliebt. Dafür verzeihen seine Fans diesem heiligen Monster noch heute Fehltritte wie Frankie The Fly. Der ist gerade erst vier Jahre alt und mit Darryl Hannah und Kiefer Sutherland in den Nebenrollen nicht einmal schlecht besetzt. Aber die Geschichte über einen Handlanger im Pornobusiness hat nicht einmal in ihrer Trashtristesse eine Chance, ernst genommen zu werden. Dass die Helden der Schwellkörper nicht gerade wortmächtig sind, mag erwartbar sein. Aber der suggestive Stuss, den Hopper daherredet - das hätte er nach der erfolgreichen Reha eigentlich nicht nötig.

Eigentlich. Denn Hopper, Jahrgang 36, glaubt noch immer, Jobs wie diesen machen zu müssen. Ich bin kein Star, ich bin Schauspieler, sagt er. Ich spiele meistens den zweiten oder dritten Kerl, meistens einen Bösen. Manchmal sterbe ich schon im zweiten Akt. So bleibt er, nach über 100 Filmen, nicht nur einer der letzten lebenden Beweise dafür, dass die sechziger Jahre wirklich stattgefunden haben. Er zeigt auch am eigenen Leib, wo die Werte dieser Zeit heute angekommen sind. Zum Beispiel als Werbefigur für Audi, Nike und Ford - für deren Modell Cougar er sogar Ausschnitte aus Easy Rider hergab. Staunenden Europäern mit ihren geschmäcklerischen Vorbehalten sagt er dann: Neulich habe ich einen Tag lang mit einer Gummiente für einen japanischen Badezusatz in der Wanne gesessen und 750 000 Dollar verdient.

Hopper schämte sich nicht nur nicht. Er trat auch gleich in einem TV-Mehrteiler als Werbeguru auf, der die Gebote erfolgreicher Reklame von Gott nicht auf Tafeln, sondern auf zwei Laptops überreicht bekommt und diese nun der Menschheit verkündet. Werbung, so predigt er, ist eine zeitgenössische Kunstform. Wenn auch eine, die man eher im Vorbeifahren wahrnimmt. Aber das ist schließlich das Leben: A System of Moments - so auch der Titel der großen Hopper-Retrospektive in Wien. Dennis, wohlgemerkt, nicht Edward. Verwechslungen auszuschließen ist nicht einfach. Der Mann ist schließlich sein eigenes Multiple.

Frankie the Fly So 24.6. VOX, 23.00 Uhr A Systems Of Moments MAK, Wien bis 7.10.