Warum heißt es immer, dass die Einführung des Euro zu höheren Preisen führt?

Der Umrechnungskurs ist doch sehr günstig, denn alle Schwellenpreise liegen nach der Umrechnung knapp über der Schwelle. Ein Beispiel: 1,99 Mark wird zu 1,02 Euro. Oder gibt es andere Gründe, warum mit Preiserhöhungen zu rechnen ist? Gerhard Foth

Die gleiche Rechnung macht auch der Bundesfinanzminister gern auf: Statt Preiserhöhungen werde die Umstellung auf den Euro eher niedrige Preise bringen, argumentiert Hans Eichel - ein Produkt, das 1,02 Euro kostet, werde der Handel schnell wieder zum Preis von 0,99 Euro anbieten.

Nur: Ganz so einfach funktioniert das Geschäft der deutschen Händler nicht.

Bei Lebensmitteln etwa sind die Gewinnspannen der großen Supermarktketten extrem niedrig. Eine Preissenkung von 1,02 auf 0,99 Euro kann sich daher kaum ein Anbieter leisten.

Also gibt es zwei Möglichkeiten: Erstens kann der Händler seine Ware künftig zu krummen Euro-Preisen verkaufen. Tatsächlich gehen Experten davon aus, dass die Zahl der Schwellenpreise vom kommenden Jahr an deutlich zurückgeht. Es wird mehr Preise geben, die mit einer 5, 1 oder 7 enden.

Verlockender klingt für die Händler jedoch die zweite Möglichkeit - und sie wird auch schon kräftig genutzt. Man erhöht die Preise einfach vor der Umstellung auf den Euro und kommt so vom kommenden Jahr an wieder auf einen glatten Betrag oder den gewünschten Schwellenpreis.