Zugegeben: Es gibt Schlimmeres im Leben, vor allem hier in Palästina. Und dennoch, es ist mir schwer gefallen, heute 12 Schülern - allesamt noch keine 16 Jahre alt - mitzuteilen, dass sie morgen nicht nach Deutschland fliegen dürfen. Warum?

Wir waren eingeladen - wie fast jedes Jahr - von unserer Partnergemeinde in Goslar, um zusammen mit der dortigen Jugendgruppe zum Evangelischen Kirchentag nach Frankfurt zu gehen. Der Kirchentag spielt bei uns eine große Rolle, seit die Schlusskollekte in Leipzig vor vier Jahren der Friedensarbeit zwischen Israel und Palästina gewidmet war.

Seit Monaten hatten sich die Schülerinnen und Schüler vorbereitet, sich darauf gefreut, aus Beit Jala in der West Bank herauszukommen, und sich mühsam den Eigenbeitrag erspart. Seit zehn Tagen hatten wir die Visa, die Flugtickets waren bestellt. Wir bemühten uns, die Gruppe von hier zum Flughafen bringen zu dürfen, wozu so genannte permits der israelischen Militärverwaltung nötig sind. Die deutsche Botschaft Tel Aviv hat sich an das israelische Außenministerium gewandt, unsere Freunde von der Ironi Dalet Schule Tel Aviv haben alle ihre Kanäle bemüht. Alles vergeblich! Begründung?

Natürlich keine!

Wir kommen also nicht raus, wir bleiben eingesperrt. 24 Stunden vor Abflug musste ich den Schülern mitteilen: Es geht nicht! Ich hätte gewünscht, dass die israelischen Verantwortlichen für solch eine Entscheidung die Gesichter dieser Kinder gesehen hätten. Da war kein Hass, aber da war unendliche Traurigkeit. Etliche aus der Gruppe sind noch im letzten Jahr mit israelischen Schülern zusammengekommen, einige waren zusammen mit israelischen Schülern zu Vogelbeo-bachtungen in der Hula-Reserve, andere waren zu einem Besuch in einem Kibbuz im Negev. Warum werden sie nun bestraft?

Friedenserziehung: Wie kann man weitermachen, wie kann man wieder anfangen?

Dies ist meine ganz zentrale Sorge für die Zukunft.