Als Junge wird der Held von Erektionen geplagt, die sich an den Oberarmen seiner Lehrerin entzünden wie eine Rakete am Triebwerk. Schließlich entdeckt der Kleine, was ihn plagt: Ein Affe springt ihm aus der Hose, ein Affe namens Monkeybone, der als sprichwörtlicher Affenknochen alle Voraussetzungen erfüllt, das Eigenleben des vorwitzigen Phallus zu vertreten. Treibt es die abgespaltene Persönlichkeit zu wild, öffnet der Junge den Schlund seines Ranzens: Knüppel in den Sack, Monkeybone in den Rucksack.

Es ist eine merkwürdige Beichte, die der Cartoonist Stu Miley (Brendan Fraser) ablegt, aber da sie als Trickfilm über die Leinwand flimmert, ist ihm Applaus gewiss. Während seine Geschäftspartner ihn drängen, Amerikas Kinderzimmer mit Monkeybone-Gadgets zu überschwemmen, denkt Stu nur an die Frau, die ihm das Geheimnis der Sublimierung offenbart hat. Doch bevor er um die Hand der Schlafforscherin Julie bitten kann, fällt Stus Körper ins Koma.

Seine Wahrnehmung funktioniert, nur vermitteln kann er das nicht.

Scheitern am Erfolg nennt das die Psychoanalyse. Henry Selicks Film Monkeybone, der fortan mit Stus Seele durch eine bizarre Zwischenwelt reist, bringt die Angst vorm Erwachsenwerden auf eine ungleich selbstironischere visuelle Formel: In der "Unterstadt", die aussieht wie ein verrotteter Vergnügungspark und an das Land der Toten grenzt, begegnet Stu seinen schlimmsten Albträumen - und alle lieben ihren Schöpfer. Der Körper, der in der Realität festsitzt, während sich Stus Astralleib durch die fantastischen Welten des Films bewegt, erinnert daran, dass Körper im Kino immer nur Körperbilder sind. Die allerdings werden zunehmend fraktalisiert, virtualisiert und ihrer Kontrollinstanzen beraubt. In den Neunzigern waren es Serienkillerfilme, die den Körper als mediales Sorgenkind und seine Zerstückelung als Äquivalent einer Split-Screen-Psyche thematisierten. Seit Being John Malkovich und Nurse Betty hat die amerikanische Komödie die "furchtbare Sorge um die Grundlagen des Ichs" beerbt, die schon Siegfried Kracauer für den deutschen Stummfilm diagnostizierte. Monkeybone spielt mit dieser Sorge und hebt sie doch zugunsten einer Psychoanalyse à la Hollywood auf.

Freuds Zweifel an der Herrschaft des Ichs über die Trickproduktion des Unbewussten bringen Selicks Film die komische Ernüchterung bei, Walt Disney sorgt als gewichtigerer Übervater für die umsatzträchtige Reillusionierung.

In Selicks wonderland treffen Komatöse wie Stu nicht nur auf Special-Effect-Figuren aus dem Arsenal des amerikanischen Horrorfilms, sondern auch auf Plastilingeschöpfe aus den Fundgruben des tschechischen Surrealismus. Doch der Zauber, der von den vereinten Kräften einer Filmkunst ausgeht, die Traum und Geträumten auf eine Ebene bringt, kostet Stu beinah das Leben. Statt seiner wird der (höchst) animierte Affe in Stus Körper zurückkatapultiert. In Stus Gestalt greift das enthemmte Cartoon nach allem Begehrlichen, was die Toys-'R'-Us-Gesellschaft zu bieten hat. Um Julie davon zu überzeugen, dass er nicht ganz er selbst ist, schlüpft Stu in den Körper eines verunglückten Kunstturners: Keine ganz einfache Aufgabe, "ich bin es" zur Angebeteten zu sagen, wenn man in der Haut eines aufgeschlitzten Organspenders steckt. In Selicks avantgardistischen Mainstream-Kino ist es die Kamera, die die verlorene Identität wiederherstellt. Als allwissendes Auge durchschaut sie den "falschen" Körper des Helden und stellt ihn in den Kontext des "richtigen" Gefühls: "er ist es", sagt diese Kamera, "und der Regisseur ist sein Gesprächstherapeut".