Pffft und Pschscht!

Wie in der CDU der Druckausgleich stattfindet, ohne dass das Machtvakuum verschwindet? von 

Ein Loch ist da, so hat es Kurt Tucholsky einmal trefflich formuliert – ein Loch ist da, wo nichts ist. Diesen Lehrsatz darf man aber nicht unbesehen verallgemeinern – in mancher Beziehung darf er sogar nur als Momentaufnahme Gültigkeit beanspruchen. Denn wie die alten Griechen schon sagten: Panta rhei – alles fließt und geht sogleich in den nächsten Zustand über. Oder war es der Vater aller Dinge? Sie sehen, es wird Sommer, die Augen und Gedanken fangen an zu flirren... Aber wir wollen uns noch einmal richtig konzentrieren vor dem Wochenende und über das Loch, bzw. genauer und politischer ausgedrückt: über das Vakuum nachdenken.

Ein Vakuum ist – frei nach Tucholsky – da, wo nichts ist. Und ein Machtvakuum ist da, wo keine Macht ist. Soweit scheint alles klar zu sein. Aber dabei bleibt es ja nicht. Wenn Sie zum Beispiel eine unter Vakuum stehende Erdnuss-Dose öffnen, dann macht es zunächst einmal „pfffft“ – bis der Druckausgleich erfolgt ist und Sie an Ihre Erdnüsse herankommen. (Achtung: schwer kalorienhaltig!). Oder umgekehrt: Wenn Sie Ihre unter Innendruck stehende Cola-Dose öffnen, dann macht es erst einmal „pschscht!“, Achtung, es könnte Ihnen etwas davon auf die Kleidung spritzen. (Und zucker-, also: schwer kalorienhaltig ist die Sache allemal auch.)

Und folglich sind wir schon angekommen bei der CDU. Denn dort macht es in einem fort „pffft!“ und „pschscht!“ zugleich. Offenbar herrscht dort zum einen ein echtes Machtvakuum – und zum anderen stehen dort offenbar ständig Leute unter erheblichem Innendruck. Das lehrt uns über den Fall hinaus Folgendes: Wenn in der Politik ein Vakuum besteht (oder auch nur große Druckunterschiede zwischen den Machtsphären walten), dann kommt es zum Druckausgleich – und zwar durch heftiges Strömen von heißer Luft, von innen nach außen und von außen nach innen. Pfft und pscht – weil der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel diese Strömungsgeräusche missfallen, gibt sie nun eine neue Parole aus: Pst! Über die Kanzlerkandidatenfrage soll überhaupt nicht mehr gesprochen werden, einstweilen. Aber ein Vakuum verschwindet nur durch Druckausgleich – und nicht etwa schon dadurch, dass man einfach nicht mehr darüber redet.

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