Sie tanzt. Nein: Sie schwebt. Kaum berühren ihre Füße den Boden. Wie ihr Rock sich bauscht, wie sie sich dreht ... Die steinerne Barocktänzerin, leider kopflos, steht mitten auf dem pleasure ground vor dem gelben Barockpalais von Lomnitz. Lomnitz - nie gehört? Wie auch. Lomnitz ist, von Wroclaw/Breslau kommend, das erste Schloss im Hirschberger Tal. Eine weiche Hügellandschaft, ans Riesengebirge geschmiegt, alter Mischwald, muntere Bäche, meist überwölbt von Himmelblau. Sommerfrische - hier muss sie erfunden worden sein. Ihre Zeugen heißen Erdmannsdorf und Fischbach, Ruhberg, Buchwald und viele andere.

Refugien für schlachtenmüde Könige, aber auch für schlichtere Genießer aus wohlhabenden Familien verschiedenster Provenienz. Die Fachleute fürs Verschönern brachten sie gleich mit - Karl Friedrich Schinkel, Peter Joseph Lenné und August Stüler, um nur die bekanntesten zu nennen. Eine Kultur-/Naturlandschaft entstand, von Aufklärung und Klassizismus geprägt, geschmückt mit einer unglaublichen Anzahl von Schlössern und Herrenhäusern.

Ziemlich deutsch, nein - schlimmer noch: preußisch geprägt, diese Vergangenheit. Besser, man lässt sie erst mal ruhen. Ruhe allein aber bringt ja nichts voran ...

Mutig, dieses Projekt der Berliner Gesellschaft für interregionalen Kulturaustausch. Eine konsequent zweisprachige Ausstellung über das Hirschberger Tal, im Breslauer Museum für Architektur. Bis es so weit war, musste einiges aus dem Weg geräumt werden an Aufhaltungen, Verzögerungen, Misstrauen. Nicht so sehr die Exponate sind spektakulär, sondern der allen historischen Epochen gegenüber gleiche respektvolle Ansatz dahinter, die polnische/böhmische/preußische Zeit ins Bild holend. Der Kunsthistoriker Arne Franke hat sechs Wochen vor Eröffnung zwei Tafelbilder aufgestöbert, einen barocken Doppelstammbaum, der jetzt den Eingang der Ausstellung beherrscht

links die Familie Schaffgotsch, rechts die Piasten. Das ist der Beweis: Man war mal weiter mit der Verständigung zwischen Polen und Deutschen. Der Stammbaum ist mehr als ein dynastisches Aperçu.

Insgesamt stehen im Hirschberger Tal 26 Schlösser und Burgen, allesamt anvertraut der kundigen Hand von Wojciech KapaIczy°ski, der das Denkmalpflegeamt leitet. Er erklärt, warum so lange nichts geschah: zum einen aus nahe liegenden ideologischen Gründen

zum anderen aber auch, weil die in Polen gebräuchliche Kategorisierung der Denkmäler (von 0 = besonders erhaltenswert bis 4 = schwach geschützt) dafür sorgte, dass das 19.